Wer 2026 in Deutschland eine E-Rechnung ausstellen will, hat genau zwei zulässige Standardformate zur Auswahl: XRechnung und ZUGFeRD ab Version 2.0.1. Beide entsprechen der europäischen Norm EN 16931 und werden von der deutschen Finanzverwaltung anerkannt. Die Wahl zwischen XRechnung und ZUGFeRD 2026 ist nicht trivial – sie hat Auswirkungen auf Workflow, Software-Auswahl und vor allem auf die Lesbarkeit der Rechnung für den Empfänger.
Dieser Beitrag erklärt die technische Architektur beider Formate, vergleicht sie in Pro- und Contra-Tabellen und zeigt, welche Konstellationen 2026 in Deutschland für welches Format sprechen. Außerdem: ein Praxisleitfaden für die Migration und konkrete Software-Empfehlungen für KMU und Soloselbständige.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine XRechnung – die rein XML-basierte Lösung?
- Was ist ZUGFeRD 2.0 – das deutsche Hybrid-Format?
- Welche europäische Norm steckt dahinter? EN 16931 erklärt
- XRechnung vs ZUGFeRD 2026: Welches Format wofür?
- Wie wird eine XRechnung 2026 technisch erstellt?
- Wie wird ein ZUGFeRD 2.0 erstellt und gelesen?
- Welche Software unterstützt 2026 beide Formate?
- FAQ – die häufigsten technischen Fragen
Was ist eine XRechnung – die rein XML-basierte Lösung?
Die XRechnung ist ein reines XML-Format, das von der Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) beim Land Bremen entwickelt und gepflegt wird. Sie ist seit 2018 verpflichtender Standard im Geschäftsverkehr mit der öffentlichen Verwaltung (B2G) und zählt zu den zentralen Bausteinen der deutschen Verwaltungs-Digitalisierung.
Charakteristische Merkmale:
- Reines XML: Eine .xml-Datei, die alle Rechnungsinformationen strukturiert in maschinenlesbarer Form enthält
- Keine integrierte Sichtdarstellung: Ohne Software-Visualisierung ist die Datei für Menschen nicht direkt lesbar
- EN-16931-konform: Folgt dem europäischen Standard mit deutschen Erweiterungen (CIUS – Core Invoice Usage Specification)
- Kostenfrei und offen: Spezifikation und Validatoren werden öffentlich von der KoSIT bereitgestellt
- Automatisch verarbeitbar: Buchhaltungssoftware liest die XRechnung ohne manuelle Eingriffe
„Die XRechnung ist der Standard für die strukturierte Datenübermittlung in Deutschland. Sie verhindert Medienbrüche, ermöglicht Automatisierung und reduziert manuelle Buchungsfehler erheblich.“
– KoSIT, Koordinierungsstelle für IT-Standards (XRechnung-Spezifikation)
Wo wird XRechnung 2026 typisch eingesetzt?
- B2G-Bereich: Pflicht bei Rechnungen an Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden
- Großunternehmen: Wenn beide Seiten ERP-Systeme mit XML-Schnittstellen haben
- EDI-Ersatz: Als Standard für hochautomatisierte B2B-Geschäfte mit hoher Transaktionsfrequenz
- Konzern-interne Verrechnungen: Wenn keine menschliche Sichtprüfung erforderlich ist
Was ist ZUGFeRD 2.0 – das deutsche Hybrid-Format?
Die ZUGFeRD-Familie wurde vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) entwickelt – einem Konsortium aus Verbänden wie BDI, AWV, ZVEI und der Bundesregierung. Der Name steht für „Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland“.
ZUGFeRD ist ein Hybrid-Format: Es kombiniert die menschliche Lesbarkeit eines PDF-Sichtdokuments mit der maschinellen Verarbeitbarkeit strukturierter XML-Daten. Konkret: Im PDF/A-3-Container ist eine vollständige XRechnung-kompatible XML-Datei eingebettet.

Welche ZUGFeRD-Versionen sind 2026 zulässig?
Wichtig: Nur ZUGFeRD ab Version 2.0.1 ist 2026 als E-Rechnung zugelassen. Ältere Versionen (1.0, 2.0 ohne Patch) erfüllen nicht alle Anforderungen der EN 16931. Die aktuelle Version ist ZUGFeRD 2.3 (Stand Mai 2026), enthält Profile für unterschiedliche Komplexitätsgrade:
- BASIC: Mindestumfang einer EN-16931-Rechnung
- BASIC WL (without Lines): ohne einzelne Rechnungspositionen
- EN 16931 (Comfort): Standard-Profil, deckt 99 % der Geschäftsfälle ab
- EXTENDED: Erweiterte Felder über die Norm hinaus, z.B. für Branchen-Spezifika
- XRECHNUNG: Voll XRechnung-kompatibel, im B2G-Bereich nutzbar
Frankreichs ähnliches Format heißt Factur-X – es ist mit ZUGFeRD weitgehend identisch. Beide Formate sind dadurch grenzüberschreitend einsetzbar.
Welche europäische Norm steckt dahinter? EN 16931 erklärt
Die EN 16931 ist die zentrale europäische Norm für die elektronische Rechnungsstellung, herausgegeben vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) im Jahr 2017. Sie definiert ein semantisches Datenmodell – also welche Informationen mit welcher Bedeutung in einer Rechnung enthalten sein müssen, unabhängig vom konkreten Dateiformat.
Die Norm besteht aus drei Hauptkomponenten:
- Semantisches Datenmodell: Welche Felder bedeuten was
- Liste der Syntaxen: Welche Datei-Formate die Norm konkret umsetzen (UN/CEFACT XML, UBL XML)
- Core Invoice Usage Specifications (CIUS): Länder- und Branchen-spezifische Anpassungen
Sowohl XRechnung als auch ZUGFeRD ab 2.0.1 sind EN-16931-konforme Implementierungen. Das macht sie technisch interoperabel: Eine XRechnung-kompatible Software kann auch das XML aus einer ZUGFeRD-Datei lesen, weil die strukturellen Felder identisch sind.
XRechnung vs ZUGFeRD 2026: Welches Format wofür?
Die Wahl zwischen den Formaten richtet sich nach Empfänger, Volumen und Lesbarkeitsanforderungen:
| Kriterium | XRechnung | ZUGFeRD 2.0+ |
|---|---|---|
| Dateiformat | .xml | .pdf (mit eingebettetem XML) |
| Menschliche Lesbarkeit ohne Software | Nein | Ja |
| Maschinelle Verarbeitung | Ja | Ja |
| B2G (öffentliche Verwaltung) | Pflicht | Mit XRECHNUNG-Profil zulässig |
| B2B (Mittelstand und KMU) | Möglich | Empfohlen |
| Kompatibilität mit kleineren Geschäftspartnern | Begrenzt | Hoch |
| Druckfähigkeit der Sichtdarstellung | Erfordert Visualisierungs-Software | Sofort druckbar als PDF |
| Dateigröße | Klein (wenige KB) | Mittel (50–500 KB) |
| EU-weite Einsetzbarkeit | Hoch (UBL-kompatibel) | Hoch (mit Factur-X-Schwesterformat) |
Praxis-Empfehlung: Für die meisten KMU und Soloselbständigen ist ZUGFeRD die pragmatischere Wahl. Es bietet die volle Funktionalität einer E-Rechnung, bleibt aber als PDF auch ohne spezielle Software lesbar. Die menschliche Sichtprüfung bleibt damit möglich – ein wichtiger Punkt bei kleineren Geschäftspartnern, die selbst keine ausgereifte Buchhaltungssoftware nutzen.
Wann lohnt XRechnung trotzdem?
- Bei Rechnungen an Behörden im Bund, Länder oder Kommunen (Pflicht)
- Bei vollständig automatisierten B2B-Workflows mit hohem Volumen
- Wenn die kompakte Dateigröße im Massenversand vorteilhaft ist
- Bei Konzernen mit standardisierten ERP-Schnittstellen
Wie wird eine XRechnung 2026 technisch erstellt?
Eine XRechnung kann auf verschiedenen Wegen entstehen:
- Direkt in der Buchhaltungssoftware: Moderne Lösungen wie DATEV, Lexware, Sage oder lexoffice können XRechnungen direkt aus den Stammdaten erzeugen.
- Über Online-Konverter der KoSIT: Für Einzelfälle gibt es kostenfreie Tools, die aus eingegebenen Daten eine valide XML-Datei erzeugen.
- Per ERP-Integration: SAP, Microsoft Dynamics oder Oracle ERP haben native XRechnung-Module.
- Im sogenannten ZUGFeRD-XRECHNUNG-Profil: Eine ZUGFeRD-Datei mit XRECHNUNG-Profil wird oft als Brückenlösung erzeugt – sichtbar als PDF, intern voll XRechnung-kompatibel.
Wichtig bei der Erstellung: Validierung vor dem Versand. Die KoSIT bietet einen kostenfreien Online-Validator. Eine Rechnung mit Validierungsfehlern wird vom Empfänger oft automatisch zurückgewiesen.

Wie wird ein ZUGFeRD 2.0 erstellt und gelesen?
Die Erstellung einer ZUGFeRD-Datei erfolgt in zwei Schritten:
- PDF-Layout erzeugen: Die optisch lesbare Sichtdarstellung wird wie eine klassische PDF-Rechnung erstellt
- XML einbetten: Die strukturierten Daten werden im PDF/A-3-Container als XML-Anhang gespeichert
Die Lesbarkeit funktioniert auf zwei Ebenen:
- Mensch: Öffnet die PDF wie gewohnt im Acrobat Reader oder Browser
- Maschine: Extrahiert das XML automatisch und übergibt es an die Buchhaltungssoftware
Das ist der entscheidende Pragmatismus von ZUGFeRD: Es bricht keine bestehenden Workflows. Eine Rechnung kann weiterhin per E-Mail als PDF-Anhang verschickt werden – die Empfangs-Software erkennt die eingebetteten strukturierten Daten automatisch und verbucht sie ohne manuellen Eingriff.
Welche Validierungs-Tools gibt es 2026?
- KoSIT-Validator für XRechnung – kostenfrei online verfügbar
- FeRD-Validator für ZUGFeRD – ebenfalls kostenfrei
- Integrierte Validierung in praktisch allen Buchhaltungs-Cloud-Lösungen
- Mustangproject – Open-Source-Bibliothek (Java) zur Validierung und Erzeugung beider Formate
Für eine zuverlässige Verfahrensdokumentation der Rechnungsausstellung empfehlen wir unseren Beitrag Verfahrensdokumentation nach GoBD.
Welche Software unterstützt 2026 beide Formate?
Praktisch alle ernst zu nehmenden Buchhaltungslösungen unterstützen 2026 beide Formate. Drei Beispiele aus unterschiedlichen Preissegmenten:
- lexoffice (Soloselbständige): ab 9 Euro pro Monat. Direkter XRechnung- und ZUGFeRD-Versand. Mobile App für Empfang und Erstausstellung.
- DATEV Unternehmen online (Mittelstand): ab rund 50 Euro pro Monat plus Beratereinrichtung. Vollständige XRechnung- und ZUGFeRD-Unterstützung mit Schnittstelle zum Steuerberater.
- SAP S/4HANA Cloud (Konzern): ab mehreren tausend Euro pro Monat. Native EN-16931-Module mit beiden Formaten und EDI-Bridges.
Für eine erfolgreiche Migration empfiehlt sich ein dreistufiger Plan: Erstens Empfangsbereitschaft sicherstellen, zweitens Versendung im Pilotbetrieb mit ausgewählten Geschäftspartnern, drittens flächendeckende Aktivierung. Mehr zu Digitalisierungsprozessen in unserem Beitrag Papierloses Arbeiten richtig umsetzen sowie in unserer Pillar-Übersicht E-Rechnung Pflicht 2026 in Deutschland: Vollständiger Leitfaden.
FAQ: Die häufigsten technischen Fragen zu XRechnung und ZUGFeRD 2026
Welches Format gilt 2026 in Deutschland: XRechnung oder ZUGFeRD?
Beide Formate sind 2026 in Deutschland zulässig, sofern sie der EN 16931 entsprechen. Bei ZUGFeRD muss mindestens Version 2.0.1 oder höher verwendet werden. Im B2G-Bereich (Geschäft mit öffentlicher Verwaltung) ist XRechnung Pflicht. Im B2B-Bereich kann frei gewählt werden – ZUGFeRD wird oft bevorzugt, weil das eingebettete PDF auch ohne Spezialsoftware lesbar ist.
Was ist der Hauptunterschied zwischen XRechnung und ZUGFeRD?
XRechnung ist eine reine XML-Datei – nur maschinenlesbar. ZUGFeRD ist ein Hybridformat: ein PDF mit eingebetteten strukturierten XML-Daten – sowohl menschen- als auch maschinenlesbar. Beide entsprechen der EN 16931, nutzen aber unterschiedliche technische Containerformate.
Welche EN-Norm liegt der E-Rechnung 2026 zugrunde?
Die europäische Norm EN 16931, herausgegeben vom CEN im Jahr 2017. Sie definiert das semantische Datenmodell sowie zwei zulässige XML-Syntaxen (UN/CEFACT und UBL). Sowohl XRechnung als auch ZUGFeRD ab 2.0.1 sind EN-16931-konforme Implementierungen.
Kann ich eine ZUGFeRD-Datei in eine XRechnung umwandeln?
Ja, technisch problemlos. Beide Formate verwenden dasselbe semantische Datenmodell. Beim Auslesen einer ZUGFeRD-Datei wird der eingebettete XML-Anhang extrahiert und kann eigenständig als XRechnung weiterverarbeitet werden. Das ZUGFeRD-Profil XRECHNUNG erfüllt die XRechnung-Anforderungen sogar zu 100 Prozent.
Welche Software soll ein KMU 2026 für E-Rechnungen wählen?
Für Soloselbständige und Kleinstbetriebe Cloud-Lösungen wie lexoffice, sevdesk oder Buchhaltungsbutler ab 8 bis 25 Euro pro Monat. Für Mittelständler mit Steuerberater meist DATEV Unternehmen online. Für Wachstumsunternehmen ab etwa 50 Mitarbeitern moderne Cloud-ERP-Lösungen wie Odoo, Microsoft Dynamics 365 Business Central oder Sage Business Cloud Enterprise.
Quellen und weiterführende Informationen
- KoSIT – XRechnung-Standard und Validator
- FeRD – Forum elektronische Rechnung Deutschland (ZUGFeRD)
- CEN – Europäisches Komitee für Normung (EN 16931)
- Bundesfinanzministerium – BMF-Schreiben zur E-Rechnung
- Gesetze im Internet – § 14 UStG
Lesen Sie ergänzend: E-Rechnung Pflicht 2026 in Deutschland: Vollständiger Leitfaden (Pillar), Wer muss 2026 E-Rechnungen empfangen können? und KI-gestützte Compliance 2026.