Startseite PolitikLandtagswahl in Baden-Württemberg: Grüne behaupten Platz eins – FDP und SPD kämpfen ums politische Überleben

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Grüne behaupten Platz eins – FDP und SPD kämpfen ums politische Überleben

Die Grünen liegen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ersten Hochrechnungen zufolge vor der CDU. Während Cem Özdemir auf das Amt des Ministerpräsidenten hoffen darf, droht der FDP und SPD das historische Aus.

von Wolfgang Baumer
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Landtagswahl in Baden-Württemberg: Grüne behaupten Platz eins – FDP und SPD kämpfen ums politische Überleben

Die politische Landschaft im deutschen Südwesten steht vor einer Zäsur, auch wenn die bisherige Regierungskoalition an der Macht bleiben dürfte. Am heutigen Sonntag, dem 8. März 2026, zeichnet sich bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ein knapper, aber deutlicher Sieg der Grünen ab. Wirtschaftsvertreter und Politikinteressierte, die Plattformen wie das-unternehmer-wissen.de für fundierte Markt- und Gesellschaftsanalysen nutzen, blicken gespannt auf die wirtschaftlichen Folgen dieser Weichenstellung. Nach 15 Jahren unter der Führung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann deuten die ersten amtlichen Hochrechnungen am Wahlabend darauf hin, dass die Grünen auch mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Cem Özdemir die dominierende politische Kraft im Land bleiben.

Das Rennen um die Staatskanzlei: Özdemir verweist Hagel auf den zweiten Platz

Wie Der Spiegel berichtet, kommen die Grünen laut den Daten des Instituts Infratest dimap für die ARD auf 31,8 Prozent der Stimmen. Die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte für das ZDF einen fast identischen Wert von 31,7 Prozent. Damit verweisen sie den bisherigen Koalitionspartner, die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel, auf den zweiten Platz. Die Christdemokraten erreichen den Prognosen zufolge 29,3 Prozent (ARD) beziehungsweise 30,3 Prozent (ZDF).

Dieser Wahlausgang ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Winfried Kretschmann trat nach drei erfolgreichen Amtszeiten nicht mehr an. Der Übergang auf Cem Özdemir galt im Vorfeld als Herausforderung, da die CDU in den landesweiten Umfragen lange Zeit deutlich geführt hatte. Erst in den letzten Tagen vor der Wahl deutete sich im ZDF-Politbarometer ein Kopf-an-Kopf-Rennen an, bei dem beide Parteien bei rund 28 Prozent gleichauf lagen. Die nun vorliegenden Hochrechnungen belegen, dass die Grünen auf der Zielgeraden entscheidende Wähleranteile mobilisieren konnten. Cem Özdemir hat somit exzellente Chancen, der nächste Ministerpräsident von Baden-Württemberg zu werden.

Historische Gewinne für die AfD und ein Debakel für die Traditionsparteien

Während an der Spitze ein Zweikampf zwischen den bisherigen Regierungsparteien stattfand, vollzieht sich auf den weiteren Plätzen ein politisches Erdbeben. Die AfD, die mit Spitzenkandidat Markus Frohnmaier in den Wahlkampf zog, etabliert sich mit 17,6 Prozent (ARD) beziehungsweise 17,9 Prozent (ZDF) unangefochten als drittstärkste Kraft im Land. Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 bedeutet dies einen massiven Zuwachs von knapp acht Prozentpunkten. Die Partei profitiert dabei offensichtlich von der bundespolitischen Unzufriedenheit und konnte ihr Ergebnis im Südwesten deutlich ausbauen.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums spielen sich existenzielle Dramen ab. Die FDP, die lange Zeit als feste Größe im Stuttgarter Landtag galt und die Abstimmung im Vorfeld zur Schicksalswahl stilisiert hatte, verpasst mit derzeit 4,5 Prozent (ein dramatisches Minus von 6,0 Prozentpunkten) möglicherweise den Wiedereinzug in das Parlament.

Auch die SPD erlebt in Baden-Württemberg einen beispiellosen Absturz: Mit nur noch 5,4 bis 5,5 Prozent (ein Verlust von 5,5 Prozentpunkten gegenüber 2021) muss die einst stolze Volkspartei am Wahlabend ernsthaft um den Verbleib im Parlament zittern. Für die Sozialdemokraten ist dies ein historischer Tiefschlag in einem Bundesland, in dem sie von 2011 bis 2016 noch gemeinsam mit den Grünen die Regierung stellten. Die Linke, die auf 4,5 Prozent kommt (plus 0,9 Prozentpunkte), verfehlt voraussichtlich ebenfalls den Einzug in den Stuttgarter Landtag, auch wenn sie im Vorfeld Hoffnungen hegte, erstmals die Fünfprozenthürde im Südwesten zu überspringen.

Historisch hohe Wahlbeteiligung und neue Demografien

Ein besonders positives Signal für die demokratische Legitimation dieser Wahl ist die spürbar gestiegene Wahlbeteiligung. Laut Landeswahlleiterin Cornelia Nesch und den Daten der Demoskopen lag die Beteiligung bei 71,5 Prozent (ARD) beziehungsweise 70,2 Prozent (ZDF). Dies stellt einen signifikanten Anstieg gegenüber der Wahl im März 2021 dar, bei der coronabedingt und aus anderen Faktoren heraus lediglich 63,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben.

Interessant ist auch die Rolle der Briefwähler. Rund zwei Millionen Wahlberechtigte hatten im Vorfeld Briefwahl beantragt, was die Auszählung am Abend noch in kleinen Nuancen beeinflussen könnte. Darüber hinaus durften in Baden-Württemberg erstmals 16- und 17-Jährige an der Wahl zum Landesparlament teilnehmen. Diese Neuwählergruppe hat das Bild und die Ansprache im Wahlkampf im Vorfeld stark geprägt.

Politische Stabilität im Südwesten: Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition

Trotz der massiven prozentualen Verschiebungen bei den kleineren und oppositionellen Parteien deutet architektonisch alles auf eine Fortsetzung der bisherigen Regierungsarbeit hin. Die Grünen und die CDU regieren in Baden-Württemberg seit 2016 erfolgreich gemeinsam. Sollten sich die ersten Hochrechnungen im Laufe der Nacht in amtliche Endergebnisse verwandeln, hätte ein erneutes Bündnis aus Grünen und CDU eine mehr als komfortable parlamentarische Basis.

Den Berechnungen der ARD zufolge käme eine Fortsetzung der Regierung unter grüner Führung auf rund 112 Sitze. Da für eine absolute Mehrheit im Stuttgarter Landtag lediglich 78 Mandate erforderlich sind, steht die Regierungsfähigkeit außer Frage. Unabhängig davon, ob am Ende des Auszählprozesses Parteien wie die SPD, FDP oder Die Linke durch mögliche Überhangmandate beziehungsweise durch das hauchdünne Überschreiten der Fünfprozenthürde noch minimal das politische Gewicht verschieben, sind die zentralen Machtverhältnisse geklärt. Baden-Württemberg steuert auf eine Phase der Kontinuität zu, die in wirtschaftlich und geopolitisch unsicheren Zeiten ein starkes Signal der Stabilität an den Wirtschaftsstandort Deutschland sendet.

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