Startseite PolitikBelarus schaltet Relaisstationen für russische Drohnen nach einem Ultimatum aus Kyjiw ab. Die Gefahr neuer Angriffe und einer Eskalation an der Nato-Grenze bleibt.

Belarus schaltet Relaisstationen für russische Drohnen nach einem Ultimatum aus Kyjiw ab. Die Gefahr neuer Angriffe und einer Eskalation an der Nato-Grenze bleibt.

von Johanna Richter
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Belarus schaltet Relaisstationen für russische Drohnen nach einem Ultimatum aus Kyjiw ab. Die Gefahr neuer Angriffe und einer Eskalation an der Nato-Grenze bleibt.

Belarus hat den Betrieb von Anlagen eingestellt, die nach Angaben aus Kyjiw von Russland zur Steuerung von Angriffsdrohnen bei Attacken auf die Ukraine genutzt wurden. Die Entscheidung fiel, nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Alexander Lukaschenko direkt aufgefordert hatte, die entsprechende Infrastruktur abzubauen oder abzuschalten. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu welt.

Für die Ukraine ist dies ein seltener Fall, in dem der Druck auf Minsk offenbar Wirkung zeigte. Der praktische Nutzen bleibt jedoch begrenzt: Russland kann die Flugrouten seiner Drohnen ändern, während Belarus weiterhin einer der wichtigsten militärischen und politischen Verbündeten des Kremls ist.

Kyjiw stellte Lukaschenko ein Ultimatum

Im Juni erklärte Wolodymyr Selenskyj, auf belarussischem Gebiet seien Relaisstationen in Betrieb, die dem russischen Militär bei der Steuerung von Drohnen während Angriffen auf ukrainische Regionen helfen würden. Seinen Angaben zufolge befanden sich die Anlagen nahe der ukrainischen Grenze, unter anderem in den Regionen Brest und Homel.

Der ukrainische Präsident gab den belarussischen Behörden eine Woche Zeit, den Betrieb der Systeme einzustellen. Andernfalls werde die Ukraine selbst Maßnahmen ergreifen, um die Anlagen außer Betrieb zu setzen. Welche Form eine mögliche Operation annehmen könnte, ließ Selenskyj offen.

Wenige Tage später teilte Kyjiw mit, die Relaisstationen seien nicht mehr aktiv. Eine offizielle Bestätigung ihres vollständigen Abbaus durch Minsk gab es jedoch nicht. Unklar blieb zudem, ob die Systeme dauerhaft stillgelegt oder lediglich vorübergehend abgeschaltet wurden.

Warum Russland die Relaisstationen in Belarus brauchte

Die Relaistechnik konnte die Reichweite und Stabilität der Kommunikation mit russischen Drohnen erhöhen. Eine Signalübertragung über belarussisches Gebiet ermöglichte es, Fluggeräte gezielt in Richtung der nördlichen und westlichen Regionen der Ukraine zu steuern und dabei bestimmte Bereiche der ukrainischen Luftabwehr zu umgehen.

Die Stationierung solcher Systeme in Grenznähe eröffnete Russland einen zusätzlichen Angriffsweg. Drohnen konnten aus nördlicher Richtung in den ukrainischen Luftraum eindringen und die Luftverteidigung dazu zwingen, ihre Kräfte auf mehrere Achsen zu verteilen.

Nach der Abschaltung der Relaisstationen muss das russische Militär seine Steuerungssysteme anpassen oder auf andere Infrastruktur zurückgreifen. Die grundsätzliche Möglichkeit, Drohnen über den belarussischen Luftraum einzusetzen, ist damit jedoch nicht verschwunden.

Warum der ukrainische Erfolg nur begrenzte Wirkung hat

Die Stilllegung der Anlagen kann die Wirksamkeit einzelner russischer Operationen beeinträchtigen, beseitigt die Bedrohung aber nicht vollständig. Moderne Angriffsdrohnen sind in der Lage, zumindest einen Teil ihrer Strecke auf vorprogrammierten Routen zurückzulegen und sich dabei an Satelliten- oder Trägheitsnavigationssystemen zu orientieren.

Russland könnte die Relaisstationen außerdem auf eigenes Staatsgebiet verlegen oder neue Technik in anderen Regionen aufbauen. Die Entscheidung aus Minsk erschwert dem russischen Militär damit bestimmte Einsätze, nimmt ihm aber nicht die Möglichkeit, die Ukraine weiterhin aus nördlicher Richtung anzugreifen.

Zudem hat Belarus keine grundsätzliche Abkehr von der militärischen Zusammenarbeit mit Moskau angekündigt. Die Abschaltung einzelner Anlagen bedeutet daher nicht, dass Minsk auch andere Formen der Unterstützung für Russland beendet.

Belarus bleibt Teil des russischen Militärsystems

Zu Beginn der groß angelegten Invasion im Februar 2022 diente belarussisches Gebiet den russischen Streitkräften als Aufmarschraum. Von dort rückten russische Einheiten in die ukrainischen Regionen Kyjiw und Tschernihiw vor.

Auch danach gewährte Minsk Russland Zugang zu Militäranlagen, Übungsplätzen, Flugplätzen und logistischer Infrastruktur. Auf belarussischem Gebiet wurden zudem russische Raketensysteme stationiert. Moskau und Minsk führten außerdem gemeinsame Militär- und Nuklearübungen durch.

Ein weiterer Faktor ist die wirtschaftliche Unterstützung. Kyjiw wirft der belarussischen Führung vor, die Treibstofflieferungen nach Russland ausgeweitet zu haben. Dadurch könne Moskau die Folgen ukrainischer Angriffe auf russische Ölraffinerien teilweise ausgleichen.

Welche Risiken der Druck auf Minsk birgt

Das ukrainische Ultimatum hat gezeigt, dass Lukaschenko offenbar zum Nachgeben bereit ist, wenn ein direkter Angriff auf militärische Infrastruktur droht. Eine weitere Eskalation rund um Belarus könnte von Moskau jedoch für die eigene Informationspolitik genutzt werden.

Der Kreml stellt ukrainische Angriffe auf russische oder verbündete Militärobjekte regelmäßig als Bedrohung für den gesamten Unionsstaat aus Russland und Belarus dar. Einen Angriff auf belarussisches Gebiet könnte Moskau nicht nur als Attacke gegen Minsk, sondern als Angriff auf den gemeinsamen militärischen Raum an der westlichen Grenze interpretieren.

Ein solches Szenario könnte Russland als Begründung dienen, seine Truppenpräsenz nahe Polen, Litauen und Lettland auszubauen. Unter dem Vorwand einer Reaktion auf eine ukrainische Operation könnte der Kreml zusätzliche Soldaten, Raketensysteme und Luftabwehrtechnik an die Grenzen der Nato verlegen.

Lukaschenko manövriert zwischen Kyjiw und Moskau

Alexander Lukaschenko hat wiederholt erklärt, er wolle die belarussische Armee nicht direkt in den Krieg hineinziehen. Gleichzeitig hält er am Bündnis mit Russland fest und stellt Moskau weiterhin militärische und wirtschaftliche Möglichkeiten zur Verfügung.

Die Abschaltung der Relaisstationen könnte darauf hindeuten, dass Minsk einen direkten ukrainischen Angriff vermeiden wollte. Für Lukaschenko ist es entscheidend, eine Ausweitung der Kampfhandlungen auf belarussisches Gebiet zu verhindern, da dies zusätzliche Risiken für sein Herrschaftssystem schaffen würde.

Belarus löst jedoch weder seine militärischen Vereinbarungen mit Moskau auf noch verzichtet es grundsätzlich auf russische Infrastruktur im eigenen Land. Das aktuelle Zugeständnis an Kyjiw betrifft daher nur einen einzelnen Bestandteil des russischen Angriffssystems.

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