Der US-Flugzeugträger USS Abraham Lincoln nähert sich einem der längsten Einsätze der US Navy seit Jahrzehnten. Das Schiff ist bereits seit fast neun Monaten von seinem Heimathafen entfernt, ein großer Teil der Besatzung hatte seit Dezember keine Gelegenheit mehr, an Land zu gehen. Der lange Einsatz in einem Kampfgebiet geht mit Berichten über Erschöpfung, Versorgungsprobleme und eine wachsende psychische Belastung einher. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu cnn.
Die Lage auf der Lincoln ist Teil eines größeren Problems der US-Marine: In den vergangenen Jahren bleiben Flugzeugträgerkampfgruppen immer häufiger länger im Einsatz als ursprünglich vorgesehen. Gleichzeitig steigt der Verschleiß der Technik, Wartungsarbeiten werden komplizierter und auch die Familien der Soldaten geraten stärker unter Druck.
USS Abraham Lincoln nähert sich einem Rekordeinsatz
Die USS Abraham Lincoln verließ San Diego am 21. November 2025. Mitte August 2026 dauert ihr Einsatz bereits fast neun Monate. Die meisten Seeleute hatten zuletzt am 11. Dezember während eines Aufenthalts auf Guam die Möglichkeit, von Bord zu gehen.
Grund für den ungewöhnlich langen Einsatz sind vor allem Kampfaufträge im Zusammenhang mit dem Konflikt um Iran. Weil regelmäßige Aufenthalte in befreundeten Häfen ausblieben, fehlten der Besatzung wichtige Möglichkeiten zur Erholung, zur Auffüllung von Vorräten und für technische Arbeiten.
Nach Angaben von CNN könnte die Lincoln sogar den Wert der USS Gerald R. Ford übertreffen, die zuvor einen 326 Tage dauernden Einsatz absolviert hatte. Dieser galt als längster Einsatz eines US-Flugzeugträgers seit dem Vietnamkrieg.
Der in Japan stationierte Flugzeugträger USS George Washington ist inzwischen auf dem Weg, die Lincoln im Persischen Golf abzulösen. Doch auch nach der Übergabe ihrer Aufgaben wird die Rückfahrt nach Kalifornien noch zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen.
Seeleute berichten über Alltagsprobleme und starke Erschöpfung
Mehrere Besatzungsmitglieder und Angehörige von Soldaten erklärten gegenüber CNN, dass sich der aktuelle Einsatz deutlich von gewöhnlichen Missionen unterscheide.
Ein Besatzungsmitglied beschrieb die Moral an Bord als sehr schlecht. Nach seiner Darstellung hätten mehrere Kameraden von Suizidgedanken gesprochen. Hinzu kämen alltägliche Probleme wie fehlendes Warmwasser, gesperrte Toiletten und außer Betrieb befindliche Trinkwasserspender.
Auch die Versorgung bereitet offenbar Schwierigkeiten. Seeleute berichten zeitweise von knappen Lebensmitteln und fehlenden Hygieneartikeln. Während solche Produkte früher weitgehend problemlos im Bordladen erhältlich gewesen seien, gebe es inzwischen Kaufbeschränkungen und bei manchen Artikeln kaum noch Vorräte.
Auch Angehörige beklagen Schwierigkeiten mit Paketsendungen. Ashley T., deren Kind auf der Lincoln dient, erklärte CNN, dass Lieferungen teilweise erst nach mehreren Monaten ankämen oder ganz verloren gingen.
Ein weiteres Familienmitglied stellte CNN Bilder überfüllter Toiletten und Probleme mit Abwasseranlagen zur Verfügung. Ähnliche Schwierigkeiten waren zuvor auch auf der USS Gerald R. Ford während eines langen Einsatzes gemeldet worden.
Familien beobachten Veränderungen bei den Soldaten
Die lange Abwesenheit belastet nicht nur die Besatzung, sondern auch deren Familien.
Die Ehefrau eines auf der Lincoln stationierten Soldaten sagte CNN, ihr Mann bezeichne die aktuelle Mission als den schlimmsten Einsatz seiner bisherigen Dienstzeit. Nach ihren Angaben sei er deutlich gereizter und wütender geworden, obwohl dieses Verhalten früher nicht typisch für ihn gewesen sei.
Angehörige betonen, dass ihnen die besonderen Anforderungen des Militärdienstes und die Belastungen eines Kampfeinsatzes bewusst seien. Gleichzeitig stellen einige die Frage, ob eine Ablösung nicht früher hätte erfolgen und ein Teil der psychischen Belastung dadurch hätte verhindert werden können.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten mehrere Vorfälle, bei denen Seeleute über Bord gingen. Zuvor war berichtet worden, dass zwei Angehörige der Lincoln-Kampfgruppe ins Meer sprangen. Beide konnten lebend gerettet werden. Medien berichteten zudem von weiteren Fällen, bei denen Kameraden oder Vorgesetzte eingriffen.
US Navy bestreitet Zunahme suizidaler Vorfälle
Die US-Marine erklärte gegenüber CNN, sie habe an Bord der Lincoln keinen Anstieg von Suizidgedanken oder Suizidversuchen festgestellt.
Nach Angaben der Navy stehen der Besatzung medizinische Fachkräfte, psychologische Betreuung sowie Militärseelsorger zur Verfügung.
Ein US-Vertreter erklärte zudem, die Marine sehe keinen nachgewiesenen direkten Zusammenhang zwischen der Dauer eines Einsatzes und Gedanken an Selbstverletzung. Auch Fälle von Personen, die über Bord gingen, seien nicht auf diese Kampfgruppe beschränkt.
Dennoch hat die Situation inzwischen auch Politiker beschäftigt. Der demokratische Senator Richard Blumenthal richtete ein Schreiben an das Pentagon und forderte zusätzliche Informationen über die Bedingungen an Bord.
Führung versucht, die psychische Belastung zu reduzieren
Die Kommandanten der Schiffe innerhalb der Lincoln-Kampfgruppe versuchen mit verschiedenen Maßnahmen, die Belastung der Besatzungen zu verringern.
Captain Casey Mahon, Kommandant des Zerstörers USS Frank E. Petersen Jr., hatte bereits eingeräumt, dass reale Kampfbedingungen für die Seeleute eine erhebliche Stresssituation darstellen.
Auf dem Schiff wurden Gruppengespräche organisiert, bei denen die Besatzungsmitglieder ihre Erfahrungen und Belastungen ansprechen konnten. Daneben setzt die Führung auch auf niedrigschwellige Maßnahmen zur Stressbewältigung, etwa kleinere Veranstaltungen oder Pinnwände, an denen Seeleute Memes über ihren Einsatz veröffentlichen dürfen.
Trotz der schwierigen Bedingungen führt die Lincoln-Kampfgruppe weiterhin intensive Operationen durch. Nach Angaben des US-Zentralkommandos absolvierte ihre Luftwaffe rund 10.000 Einsätze im Zusammenhang mit Angriffen auf Iran und der Durchsetzung der amerikanischen Blockade.
Aus sieben Monaten werden immer häufiger deutlich längere Einsätze
Die ungewöhnlich lange Mission der USS Abraham Lincoln ist kein Einzelfall.
Das Einsatzmodell der US Navy sieht grundsätzlich einen vorhersehbaren Dreijahreszyklus vor, in dem ein regulärer Auslandseinsatz etwa sieben Monate beziehungsweise 210 Tage dauern soll.
Zwischen 2018 und 2022 lagen die meisten Einsätze noch innerhalb dieses Rahmens oder überschritten ihn nur geringfügig.
Seit Oktober 2023 hat sich die Situation verändert. Der Angriff der Hamas auf Israel und der anschließende Krieg im Nahen Osten erhöhten den Bedarf der USA an einer dauerhaften Marinepräsenz erheblich.
Die USS Gerald R. Ford kehrte im Januar 2024 nach 260 Tagen zurück. Die USS Dwight D. Eisenhower beendete ihren Einsatz im Juli desselben Jahres nach 274 Tagen.
Drei Flugzeugträgereinsätze, die 2024 begonnen hatten, dauerten jeweils länger als 250 Tage.
2025 verschärfte sich die Belastung weiter. Zwei Missionen überschritten 270 Tage, während die USS Gerald R. Ford insgesamt 326 Tage im Einsatz blieb.
USS Gerald R. Ford setzte neuen Maßstab für Langzeiteinsätze
Der lange Einsatz der Ford begann im Juni 2025. Zunächst verließ der Flugzeugträger seinen Heimathafen Norfolk in Virginia und wurde nach Europa verlegt, anschließend in die Karibik.
Seine Luftgruppe beteiligte sich an einer Operation gegen Venezuela, bei der US-Streitkräfte den ehemaligen Machthaber Nicolás Maduro gefangen nahmen. Danach wurde der Flugzeugträger in den Nahen Osten verlegt und nahm dort an Einsätzen gegen Iran teil.
Während dieser Mission kam es an Bord der Ford zu einem größeren Brand. Dennoch setzte das Schiff seinen Auftrag fort.
Solche langen Missionen stellen nicht nur die Besatzungen vor Probleme. Experten warnen auch vor einem beschleunigten Verschleiß der komplexen Schiffssysteme.
Dauerbetrieb erhöht den technischen Verschleiß
Ein Flugzeugträger besteht aus Tausenden technischen Systemen, die dauerhaft unter den aggressiven Bedingungen auf See funktionieren müssen.
Während langer Einsätze werden viele Reparaturen direkt auf See durchgeführt. Damit kann die Einsatzfähigkeit häufig aufrechterhalten werden, vollständige Wartungsarbeiten in einer Werft lassen sich dadurch jedoch nicht ersetzen.
Experten verweisen unter anderem auf den Verschleiß der Fangseile, mit denen landende Kampfflugzeuge auf dem Flugdeck abgebremst werden. Auch Rohrleitungen, elektrische Anlagen und Systeme für die Flugzeugwartung benötigen laufende Pflege.
Hinzu kommt die Belastung durch Salzwasser, das Korrosion beschleunigt und in technische Systeme eindringen kann.
Nach Einschätzung von Fachleuten können sich kleinere Defekte bei monatelangen Einsätzen summieren und dadurch das Risiko größerer technischer Probleme erhöhen.
Navy fürchtet Abwanderung qualifizierter Fachkräfte
Neben dem Materialverschleiß gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wie erfahrene Soldaten langfristig im Dienst gehalten werden können.
Mit internen Diskussionen vertraute Quellen berichten, dass insbesondere bei Piloten der Marineflieger und technischem Wartungspersonal erhebliche Sorgen bestehen.
Verteidigungsminister Pete Hegseth ordnete bereits im März eine Untersuchung zu Problemen bei der Personalbindung in den Jagdstaffeln der Navy an.
Um erfahrene Kräfte zu halten, bietet die Marine bestimmten Offizieren und Marinefliegern jährliche Bonuszahlungen in Höhe von mehreren zehntausend Dollar.
Finanzielle Anreize lösen jedoch nicht das Grundproblem langer Trennungen von der Familie und zunehmend schwer vorhersehbarer Rückkehrtermine.
Kate Kuzminski vom Center for a New American Security hält deshalb eine Anpassung des Einsatzmodells an die tatsächliche Lage für notwendig. Planbarkeit sei nicht nur für die Seeleute wichtig, sondern auch für Ehepartner und Kinder.
US Navy diskutiert neues Modell für ihre Einsatzkräfte
Innerhalb der Marine wird inzwischen offen über Veränderungen am bisherigen System gesprochen.
Der ranghöchste Unteroffizier der Navy, Master Chief Petty Officer John Perryman, bezeichnete den bestehenden Einsatzzyklus als zu starr und auf Bedingungen in Friedenszeiten zugeschnitten.
Mit Blick auf den rund elfmonatigen Einsatz der USS Gerald R. Ford erklärte er, dass die Marine künftig ein anderes Modell zur Bereitstellung ihrer Kräfte entwickeln müsse.
Ein zentrales Problem ist dabei die begrenzte Zahl verfügbarer Flugzeugträger.
Die USA verfügen offiziell über elf Schiffe dieser Kategorie. Gleichzeitig können jedoch nicht alle eingesetzt werden. Manche befinden sich in Wartung, Modernisierung oder längerfristigen Arbeiten an ihren Reaktoren.
Einige Flugzeugträger der Nimitz-Klasse nähern sich zudem dem Ende ihrer vorgesehenen Dienstzeit von ungefähr 50 Jahren und sollen nach und nach durch neue Schiffe der Gerald-R.-Ford-Klasse ersetzt werden.
Neue Flugzeugträger kommen später als geplant
Die Modernisierung der amerikanischen Flugzeugträgerflotte verläuft langsamer als ursprünglich vorgesehen.
Die USS John F. Kennedy, der zweite Flugzeugträger der Ford-Klasse, hat in dieser Woche mit ihren abschließenden Abnahmetests auf See begonnen. Die Übergabe an die Navy wird für März 2027 erwartet und damit fast zwei Jahre später als ursprünglich geplant.
Zusätzliche Unsicherheit besteht bei der USS Doris Miller, dem nächsten vorgesehenen Flugzeugträger dieser Klasse.
Die Regierung von Präsident Donald Trump ordnete an, bei künftigen Schiffen auf das elektromagnetische Startsystem für Flugzeuge zu verzichten und stattdessen wieder auf klassische Dampfkatapulte zu setzen.
Die bestehenden Schiffe der Ford-Klasse nutzen das elektromagnetische EMALS-System. Eine Rückkehr zu Dampfkatapulten würde umfangreiche Änderungen am Entwurf der Doris Miller und späterer Schiffe erfordern.
Der Schiffbauexperte Brian Clark vom Hudson Institute geht davon aus, dass die zusätzlichen Kosten mehrere Milliarden Dollar erreichen könnten. Gleichzeitig könne sich die Indienststellung erheblich verzögern.
Ursprünglich war vorgesehen, die Doris Miller etwa 2034 in Dienst zu stellen. Nach möglichen Änderungen am Entwurf könnte sich dieser Termin bis gegen Ende des folgenden Jahrzehnts verschieben.
Verzögerungen erhöhen den Druck auf ältere Flugzeugträger
Jede zusätzliche Verzögerung beim Bau neuer Schiffe erschwert der Navy die Planung ihrer vorhandenen Kräfte.
Ist ein neuer Flugzeugträger nicht rechtzeitig verfügbar, muss die Marine entweder ältere Schiffe länger einsetzen oder einzelne Missionen verlängern, um die Präsenz in strategisch wichtigen Regionen aufrechtzuerhalten.
Eine weitere Möglichkeit wäre, Flugzeugträger der Nimitz-Klasse auch nach dem ursprünglich vorgesehenen Ende ihrer rund 50-jährigen Nutzungsdauer weiterzubetreiben.
Das würde zusätzliche Investitionen in Wartung und Modernisierung älterer Schiffe erforderlich machen.
Angesichts der Konflikte im Nahen Osten und des gleichzeitigen Bedarfs an US-Marinekräften in anderen Regionen wird die begrenzte Zahl einsatzfähiger Flugzeugträger damit zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für die Länge der Missionen.
Trumps Äußerung verärgert Angehörige
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der lange Einsatz der USS Abraham Lincoln durch eine Äußerung von Präsident Donald Trump.
Auf eine Frage von Journalisten zur Dauer des Einsatzes erklärte Trump am Freitag, dieser sei „bei Weitem nicht lang genug“ gewesen.
Die Aussage löste bei der Ehefrau eines auf der Lincoln stationierten Soldaten scharfe Kritik aus. Im Gespräch mit CNN forderte sie den Präsidenten und Verteidigungsminister Pete Hegseth auf, stärker auf die Lage der Besatzung und die Folgen eines so langen Kampfeinsatzes zu achten.
Sie betonte, dass die Seeleute ihre Aufgaben weiterhin erfüllten, obwohl sie seit Monaten nicht zu Hause seien, kaum Möglichkeiten zur Erholung hätten und unter schwierigen Bedingungen an Bord lebten.
Der pensionierte Konteradmiral Bruce Gillingham, früher leitender Mediziner der US Navy, erinnerte daran, dass die Marine bereits während der Corona-Pandemie mit langen Zeiten ohne Hafenaufenthalte konfrontiert gewesen sei.
Internationale Krisen hätten die US Navy in ihrer Geschichte immer wieder dazu gezwungen, Einsätze zu verlängern. Die Besatzungen seien grundsätzlich in der Lage, solche Belastungen zu bewältigen. Gleichzeitig bedeuteten lange Missionen jedoch zwangsläufig zusätzlichen Druck auf Menschen und Material.