SpaceX hat den geplanten 13. Testflug seines Starship-Raketensystems unmittelbar vor dem Abheben abgebrochen. Weniger als eine Sekunde vor dem Start stoppte das automatische Sicherheitssystem die Triebwerkssequenz am Weltraumbahnhof Starbase im US-Bundesstaat Texas. Ursache waren Probleme beim Hochfahren mehrerer Raptor-Triebwerke des Super-Heavy-Boosters. Vor einem neuen Startversuch will das Unternehmen zwei Antriebseinheiten ersetzen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.
Automatisches System verhindert den Start von Starship
Der Countdown für den 13. Starship-Testflug verlief zunächst planmäßig. Erst während der letzten Phase, als die Triebwerke des Boosters bereits gezündet wurden, registrierte das Kontrollsystem Abweichungen. Mehrere der insgesamt 33 Raptor-Triebwerke erreichten nicht den für den Start vorgesehenen Betriebszustand.
Daraufhin löste die Rakete automatisch einen Startabbruch aus. Sämtliche bereits laufenden Triebwerke wurden wieder abgeschaltet, während das rund 124 Meter hohe Raketensystem auf der Startrampe fixiert blieb. Das Abbruchsignal erfolgte weniger als eine Sekunde vor dem geplanten Abheben.
Nach Angaben von SpaceX handelte es sich um eine automatische Sicherheitsmaßnahme. Solche Systeme sollen verhindern, dass eine Rakete mit unzureichendem Schub oder einer fehlerhaften Triebwerkskonfiguration startet. Nach dem Abbruch musste der Treibstoff aus Starship und dem Super-Heavy-Booster kontrolliert abgelassen werden.
SpaceX ersetzt zwei Raptor-Triebwerke
SpaceX-Chef Elon Musk erklärte nach dem abgebrochenen Start, dass zwei Raptor-Triebwerke vor dem nächsten Versuch ausgetauscht werden sollen. Weitere technische Einzelheiten zu den festgestellten Problemen veröffentlichte das Unternehmen zunächst nicht.
Nach Abschluss der Arbeiten müssen die Systeme erneut überprüft und für einen weiteren Countdown vorbereitet werden. Musk stellte einen neuen Startversuch bereits für den Beginn der folgenden Woche in Aussicht. Ein verbindlicher Termin wurde zunächst jedoch nicht genannt.
Der Zeitplan hängt unter anderem davon ab, wie schnell die Triebwerke gewechselt, die Leitungen kontrolliert und die erforderlichen Tests abgeschlossen werden können. Zusätzlich benötigt SpaceX erneut eine Freigabe für das vorgesehene Startfenster.
Der abgebrochene Flug wäre der erste Starship-Start seit dem Börsengang von SpaceX im Juni 2026 gewesen. Das Unternehmen hatte seine Aktien zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar an die Börse gebracht.
13. Testflug sollte neue Starship-Systeme erproben
Mit dem 13. Testflug wollte SpaceX mehrere technische Veränderungen an Starship unter realen Flugbedingungen untersuchen. Im Mittelpunkt standen Verbesserungen an der Oberstufe, am Hitzeschutz und an den Triebwerken.
Nach der Trennung vom Super-Heavy-Booster sollte Starship eine Flugbahn über dem Atlantik und dem Indischen Ozean absolvieren. Eine Landung oder spätere Wiederverwendung der beiden Raketenstufen war für diesen Test nicht vorgesehen.
Der Booster sollte nach dem Ende seiner Antriebsphase kontrolliert im Meer niedergehen. Auch die Starship-Oberstufe sollte nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre über dem Indischen Ozean auf dem Wasser aufsetzen.
SpaceX wollte dabei umfangreiche Daten zur Belastung der Raketenstruktur, zur Steuerung während des Wiedereintritts und zur Funktion des Hitzeschildes sammeln. Diese Informationen werden benötigt, um spätere Versionen des Systems mehrfach einsetzen zu können.
Neue Starlink-Satelliten sollten erstmals ausgesetzt werden
Ein zentraler Bestandteil des Flugprogramms war die Freisetzung von 20 Starlink-Satelliten einer neuen Generation. Die Testgeräte sollten nach dem Öffnen der Nutzlastsektion aus Starship ausgesetzt werden.
Eine dauerhafte Platzierung im Erdorbit war nicht vorgesehen. Die Satelliten sollten auf einer Flugbahn bleiben, die zu einem kontrollierten Eintritt in die Erdatmosphäre und anschließend zu ihrem Verglühen geführt hätte.
Mit dem Manöver wollte SpaceX vor allem den Aussetzmechanismus der Starship-Nutzlastbucht testen. Starship soll künftig größere und leistungsfähigere Starlink-Satelliten transportieren als die derzeit eingesetzten Falcon-9-Raketen.
Einige der Testgeräte sollten außerdem Daten untereinander übertragen und Bilder von Starship während des Fluges aufnehmen. Dadurch wollte das Unternehmen zusätzliche Informationen über den Zustand des Hitzeschildes und das Verhalten der Oberstufe beim Wiedereintritt gewinnen.
Erneute Triebwerkszündung im Weltraum geplant
Zum Testprogramm gehörte auch die erneute Zündung eines Raptor-Triebwerks im Weltraum. Dieses Manöver gilt als wichtige Voraussetzung für spätere Orbitalmissionen.
Starship muss seine Triebwerke außerhalb der Erdatmosphäre zuverlässig neu starten können, um die Flugbahn zu verändern, den Orbit kontrolliert zu verlassen oder langfristig Missionen zum Mond und zum Mars zu ermöglichen.
Darüber hinaus wollte SpaceX mehrere Änderungen am Hitzeschild untersuchen. Dieser besteht aus Tausenden einzelnen Kacheln, die die Oberstufe beim Wiedereintritt vor extrem hohen Temperaturen schützen sollen.
Bei früheren Testflügen hatten sich einzelne Kacheln gelöst oder waren beschädigt worden. Für den 13. Flug wurden deshalb unterschiedliche Materialien und Befestigungsmethoden an ausgewählten Bereichen der Außenhaut vorgesehen.
Starship soll vollständig wiederverwendbar werden
Starship besteht aus der gleichnamigen Oberstufe und dem Super-Heavy-Booster. Zusammen erreicht das System eine Höhe von rund 124 Metern und übertrifft damit alle derzeit betriebenen Raketen.
Der Booster wird von 33 Raptor-Triebwerken angetrieben. Diese verwenden flüssigen Sauerstoff und flüssiges Methan als Treibstoffe. Die Starship-Oberstufe verfügt über eigene Raptor-Triebwerke für den Flug im Weltraum und die kontrollierte Rückkehr durch die Atmosphäre.
SpaceX entwickelt beide Stufen als vollständig wiederverwendbare Fahrzeuge. Booster und Oberstufe sollen nach ihren Missionen zur Erde zurückkehren, landen und nach einer technischen Überprüfung erneut starten können.
Bei früheren Tests erprobte das Unternehmen bereits das Auffangen des Super-Heavy-Boosters an der Startanlage. Große Greifarme am Startturm sollen die Raketenstufe während ihres Rückflugs erfassen. Langfristig soll dieses Verfahren die Zeit zwischen zwei Starts deutlich verkürzen.
NASA setzt bei künftigen Mondmissionen auf Starship
Das Starship-Programm ist auch für die Mondpläne der US-Raumfahrtbehörde NASA von Bedeutung. SpaceX entwickelt eine speziell angepasste Version als Human Landing System für das Artemis-Programm.
Diese Mondlandefähre soll Astronauten zwischen einer Mondumlaufbahn und der Oberfläche transportieren. Dafür sind unter anderem mehrere Starship-Starts, das Betanken im Erdorbit und eine längere Lagerung der Treibstoffe im Weltraum erforderlich.
Bevor Starship für bemannte Missionen eingesetzt werden kann, muss SpaceX verschiedene Technologien nachweisen. Dazu gehören zuverlässige Starts, Triebwerkszündungen im All, die Übertragung großer Treibstoffmengen im Orbit sowie ein kontrollierter Wiedereintritt.
Auch der Hitzeschutz und die Wiederverwendbarkeit beider Raketenstufen müssen bei mehreren Flügen funktionieren. Jeder Testflug dient deshalb der Erprobung einzelner Komponenten und Flugphasen.
SpaceX-Aktie rutscht unter den Ausgabepreis
Der kurzfristig abgesagte Start belastete auch die an der Börse gehandelten SpaceX-Aktien. Im nachbörslichen Handel verloren die Papiere rund drei Prozent.
Zuvor hatten sie den regulären Handel bei 131,11 US-Dollar beendet. Damit lag der Kurs erstmals seit dem Börsengang unter dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar.
SpaceX war im Juni 2026 an die Börse gegangen. Bei der Aktienplatzierung nahm das Unternehmen 75 Milliarden US-Dollar ein. Der Börsengang gehörte damit zu den größten Aktienemissionen der bisherigen Wirtschaftsgeschichte.
Wann der 13. Starship-Testflug nachgeholt wird, hängt nun vom Austausch der beiden Triebwerke und den anschließenden technischen Prüfungen ab. SpaceX will den neuen Starttermin nach Abschluss der Vorbereitungen bekannt geben.