Startseite AktuellesDer niedrige Rheinpegel begrenzt Schiffsladungen, drosselt Kraftwerke und belastet Industrie sowie Ökosystem. Die Folgen des Niedrigwassers im Überblick.

Der niedrige Rheinpegel begrenzt Schiffsladungen, drosselt Kraftwerke und belastet Industrie sowie Ökosystem. Die Folgen des Niedrigwassers im Überblick.

von Johanna Richter
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Der niedrige Rheinpegel begrenzt Schiffsladungen, drosselt Kraftwerke und belastet Industrie sowie Ökosystem. Die Folgen des Niedrigwassers im Überblick.

Der Wasserstand des Rheins ist Mitte Juli 2026 auf Werte gesunken, die normalerweise erst deutlich später im Jahr erreicht werden. Auf einzelnen Abschnitten können Frachtschiffe nur noch etwa ein Drittel ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Der Wassermangel wirkt sich zudem auf Wasserkraftwerke, Industriebetriebe und das Ökosystem des Flusses aus. Verschärft wird die Lage durch hohe Temperaturen, längere Trockenperioden und die Folgen des künstlich begradigten Flussbetts. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu tagesschau.

Nach Angaben vom 17. Juli flossen bei Karlsruhe nur noch etwa 450 bis 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Rhein. Zehn Tage zuvor war die Abflussmenge noch fast doppelt so hoch. Der schnelle Rückgang ist inzwischen für Schifffahrtsunternehmen, Energieversorger und Umweltbehörden deutlich spürbar.

Wasserkraftwerk Iffezheim arbeitet nicht mit voller Leistung

Wenige Kilometer flussaufwärts von Karlsruhe befindet sich bei Iffezheim im Landkreis Rastatt eine große Staustufe, die zur Stromerzeugung genutzt wird. Das dortige Kraftwerk verfügt über fünf Turbinen. Bei normalem Wasserzufluss kann es rechnerisch mehr als 500.000 Haushalte mit Strom versorgen.

Neben dem Wasserkraftwerk befinden sich zwei Schleusen. Sie ermöglichen Schiffen, einen Höhenunterschied von rund zehn Metern zu überwinden. Zum Schutz wandernder Fischarten und anderer Wasserlebewesen wurde außerdem eine Fischaufstiegsanlage eingerichtet.

Der Betreiber EnBW teilte mit, dass die Anlage wegen des geringen Wasserzuflusses bereits seit Mai 2026 nicht mehr mit voller Leistung betrieben werden könne. In früheren Jahren seien vergleichbare Einschränkungen gewöhnlich erst deutlich später im Sommer erforderlich gewesen.

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg erklärte, derart niedrige Abflusswerte seien zu dieser Jahreszeit in den verfügbaren Messreihen bislang nicht dokumentiert worden.

Schiffe können nur noch ein Drittel der üblichen Ladung transportieren

Der Wasserstand gehört zu den wichtigsten Faktoren für die Binnenschifffahrt. Die Daten der Pegelstationen werden kontinuierlich erfasst und ausgewertet, weil die Tiefe der Fahrrinne unmittelbar bestimmt, wie tief ein Frachtschiff im Wasser liegen darf.

Sinkt der Pegel, müssen die Schiffe ihre Ladung reduzieren. Andernfalls steigt die Gefahr, den Flussgrund zu berühren, den Rumpf zu beschädigen oder auf einer Untiefe aufzulaufen.

Die Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt, kurz DTG, teilte mit, dass manche Schiffe auf bestimmten Rheinabschnitten derzeit nur noch zu etwa einem Drittel ihrer normalen Tragfähigkeit beladen werden können. Für den Transport derselben Menge an Kohle, Treibstoff, Chemierohstoffen, Metallen oder Baustoffen sind deshalb wesentlich mehr Fahrten erforderlich.

Bei Niedrigwasser wird auch der befahrbare Teil der Fahrrinne schmaler. Die Schiffsführer müssen den Kurs besonders genau halten und beim Passieren entgegenkommender Schiffe vorsichtiger manövrieren, damit sie nicht zu nahe an flache Bereiche oder das Ufer geraten.

DTG-Vorstandsmitglied Roberto Spranzi erklärte, eine vergleichbare Lage Mitte Juli habe er bislang nicht erlebt. Die Einschränkungen führten zu höheren Transportkosten, die sich letztlich auf Unternehmen und Verbraucher auswirkten.

Transporte werden durch zusätzliche Fahrten teurer

Der niedrige Wasserstand bringt den Schiffsverkehr auf dem Rhein nicht vollständig zum Erliegen, verschlechtert jedoch die Wirtschaftlichkeit der Transporte erheblich. Um dieselbe Warenmenge zu befördern, müssen Unternehmen mehr Schiffe einsetzen, zusätzliche Fahrten organisieren oder einen Teil der Ladung auf Bahn und Lastwagen verlagern.

Eine solche Umstellung verursacht höhere Ausgaben für Treibstoff, Personal und Logistik. Gleichzeitig stehen auf der Schiene nicht immer ausreichend freie Kapazitäten zur Verfügung. Transporte per Lkw sind häufig teurer und erhöhen zusätzlich die Belastung der Straßen.

Besonders stark betroffen sind Branchen, die regelmäßig große Mengen an Rohstoffen über den Rhein beziehen. Dazu gehören Energieunternehmen, die chemische Industrie, Metallbetriebe, Raffinerien und Hersteller von Baustoffen.

Hält das Niedrigwasser länger an, können steigende Logistikkosten die gesamte Produktionskette erfassen – von der Anlieferung der Rohstoffe bis zum Verkaufspreis der fertigen Produkte.

Flache Flüsse erwärmen sich schneller und verlieren Sauerstoff

Der Wassermangel beeinträchtigt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Qualität des Lebensraums Fluss. Bei geringerer Tiefe erwärmt sich das Wasser schneller, insbesondere auf breiten und künstlich begradigten Abschnitten.

Je höher die Wassertemperatur steigt, desto weniger Sauerstoff kann im Wasser gelöst werden. Für Fische, Wasserpflanzen, Mikroorganismen und andere Lebewesen entstehen dadurch ungünstige Bedingungen.

An Staustufen kann bei kritisch niedrigen Sauerstoffwerten zusätzlich Wasser abgelassen werden. Durch den Höhenunterschied wird es mit Luft vermischt und mit Sauerstoff angereichert. Das kann die Bedingungen unterhalb der Staustufe vorübergehend verbessern.

Die Ursache des Problems wird dadurch jedoch nicht beseitigt. Bei anhaltender Hitze und ausbleibendem Regen erwärmt sich der Fluss weiter, während der Druck auf das Ökosystem zunimmt.

Begradigtes Flussbett verstärkt die Folgen der Hitze

Natürliche Flüsse verfügen gewöhnlich über Abschnitte mit unterschiedlicher Strömungsgeschwindigkeit, Tiefe und Temperatur. Flachwasserzonen, Seitenarme, beschattete Bereiche und Ufervegetation schaffen vielfältige Lebensräume für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen.

Bäume und Sträucher entlang der Ufer verringern die direkte Sonneneinstrahlung. Ihre Kronen spenden Schatten, bremsen die Erwärmung des Wassers und können die Verdunstung teilweise reduzieren.

In begradigten Flüssen fehlen viele dieser Strukturen. Die breite, offene Wasserfläche wird stärker von der Sonne aufgeheizt. Bei schwacher Strömung und geringem Zufluss steigt die Temperatur schneller, während sich die Sauerstoffverhältnisse verschlechtern.

Der Rhein wurde auf vielen Abschnitten begradigt und befestigt, um die Schifffahrt zu erleichtern und Siedlungen vor Hochwasser zu schützen. Bei normalen Wasserständen sorgt das für besser planbare Strömungsverhältnisse und erleichtert großen Schiffen die Fahrt. Während längerer Trockenperioden können diese Eingriffe die Folgen des Niedrigwassers jedoch verschärfen.

Umweltschützer sehen Zusammenhang mit dem Klimawandel

Naturschutzorganisationen betrachten den Klimawandel als einen der wichtigsten Gründe dafür, dass Niedrigwasserperioden häufiger auftreten und länger andauern.

NABU-Wasserexperte Finn Zenker erklärte, das aktuelle Niedrigwasser trage deutliche Merkmale des Klimawandels. Extreme Wetterlagen träten immer häufiger auf und erhöhten den Druck sowohl auf die Wasserstraßen als auch auf die dort lebenden Arten.

Niederschlagsarme Winter, geringe Schneemengen, frühe Schneeschmelze und lang anhaltende sommerliche Hitzewellen verringern den Zufluss in die Flüsse. Gleichzeitig beschleunigen hohe Temperaturen die Verdunstung aus Böden, Gewässern und Pflanzen.

Dadurch kann der Wasserstand früher als üblich sinken und über mehrere Wochen oder sogar Monate niedrig bleiben.

Wirtschaftlicher Nutzen von Staustufen geht mit ökologischen Risiken einher

Begradigte und regulierte Flüsse sind wirtschaftlich von großer Bedeutung. Sie dienen der Frachtschifffahrt, der Stromerzeugung, der industriellen Wasserversorgung und dem Hochwasserschutz.

Gerade und breite Flussabschnitte ermöglichen großen Schiffen die Fahrt auf vergleichsweise stabilen Routen. Staustufen und Schleusen halten auf einzelnen Strecken eine bestimmte Wassertiefe aufrecht und helfen, Höhenunterschiede zu überwinden.

Aufgestaute Flussabschnitte werden außerdem als Reserve für eine bedarfsgerechte Stromproduktion genutzt. Bei höherem Energiebedarf kann Wasser gezielt durch die Turbinen geleitet werden.

Gleichzeitig verändern solche Bauwerke die natürliche Fließdynamik, bremsen den Transport von Sedimenten und bilden Hindernisse für wandernde Wasserlebewesen. Fischaufstiegsanlagen können diese Folgen teilweise mildern, die natürliche Struktur des Flusses jedoch nicht vollständig wiederherstellen.

Warmes Flusswasser begrenzt die Arbeit von Industriebetrieben

Viele Unternehmen entlang des Rheins nutzen Flusswasser zur Kühlung ihrer Anlagen. Wie viel Wasser entnommen werden darf, hängt vom Wasserstand und von der Temperatur ab.

Wird der Fluss zu flach und zu warm, wird die Wasserentnahme eingeschränkt. Die Rückleitung von erwärmtem Kühlwasser könnte die Temperatur des Flusses zusätzlich erhöhen und die Lebensbedingungen für Fische und andere Organismen weiter verschlechtern.

In Karlsruhe ist auch der Betrieb des Kohlekraftwerks vom Wasserstand und von der Temperatur des Rheins abhängig. Sinkt der Pegel zu stark und steigt die Wassertemperatur auf mehr als 28 Grad Celsius, darf unter normalen Bedingungen kein Wasser mehr aus dem Rhein zur Kühlung entnommen werden.

Ein Weiterbetrieb ist dann nur mit einer Sondergenehmigung möglich. Solche Ausnahmen sind für Notlagen vorgesehen, in denen die Stabilität der Energieversorgung gewährleistet werden muss.

Niedrigwasser belastet den Energiesektor auf mehreren Ebenen

Der Wassermangel schränkt gleichzeitig die Leistung von Wasserkraftwerken und thermischen Kraftwerken ein. Wasserkraftanlagen erzeugen weniger Strom, weil weniger Wasser durch die Turbinen fließt. Wärme- und Industriekraftwerke müssen ihre Wasserentnahme zur Kühlung begrenzen.

Zusätzlich erschweren steigende Transportkosten die Versorgung der Kraftwerke mit Brennstoffen. Schiffe können weniger Kohle oder Mineralölprodukte laden, weshalb mehr Fahrten oder alternative Transportwege notwendig werden.

Das Niedrigwasser wirkt sich damit gleichzeitig auf die Stromerzeugung, die Rohstoffversorgung und die industrielle Infrastruktur entlang des Rheins aus.

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