Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat seinen Rücktritt angekündigt. Auslöser war die zunehmende Kritik, nachdem bekannt geworden war, dass der Politiker und sein Ehemann Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden sind. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu Вild.
Der 46-jährige CDU-Politiker informierte die Mitglieder der Fraktion in einem schriftlichen Rundbrief über seine Entscheidung. Zuvor hatte er Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie den CSU-Vorsitzenden Markus Söder unterrichtet.
Spahn erläuterte die Gründe in einem Schreiben an die Abgeordneten
In seinem Brief an die Fraktionsmitglieder räumte Spahn ein, dass die öffentliche und parteiinterne Debatte über die Geburt seines Kindes eine weitere Amtsführung unmöglich gemacht habe.
In den vergangenen Tagen sei ihm endgültig klar geworden, dass sich sein persönliches Glück über die Familiengründung und die Vaterschaft mit seinem Ehemann nicht länger von den Erwartungen trennen lasse, die an ihn als Vorsitzenden der Regierungsfraktion gestellt würden.
Spahn erklärte, er habe unterschätzt, wie schwierig der Spagat zwischen der privaten Entscheidung für eine Leihmutterschaft im Ausland und seiner politischen Verantwortung als Fraktionsvorsitzender sein würde. Zugleich betonte er, dass seine Familie für ihn weiterhin oberste Priorität habe.
Er dankte den Abgeordneten von CDU und CSU für das entgegengebrachte Vertrauen und bezeichnete die Führung der gemeinsamen Bundestagsfraktion als große Ehre. Besonderen Dank sprach er seinem Stellvertreter Alexander Hoffmann, der gesamten Fraktionsführung sowie dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Matthias Miersch aus.
Die Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten bezeichnete Spahn als einen wichtigen Stabilitätsanker der Regierungskoalition.
Der Druck innerhalb der CDU nahm deutlich zu
Der politische Konflikt hatte sich verschärft, nachdem bekannt geworden war, dass Spahn und sein Ehemann einen Sohn bekommen hatten, der von einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten ausgetragen worden war.
Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Das deutsche Recht untersagt es Bürgern jedoch nicht grundsätzlich, ein im Ausland auf diese Weise geborenes Kind aufzuziehen. Spahn hatte wiederholt erklärt, keine geltenden Gesetze verletzt zu haben.
Seine Kritiker warfen ihm weniger einen Rechtsbruch als vielmehr einen Widerspruch zwischen seiner persönlichen Entscheidung und der politischen Linie seiner Partei vor. Die CDU lehnt eine Legalisierung der Leihmutterschaft ab und hatte diese Haltung auf einem Parteitag im Februar 2026 erneut bestätigt.
Zusätzliche Fragen warfen frühere Äußerungen Spahns auf. In der Vergangenheit hatte er sich skeptisch zu einer möglichen Zulassung der Leihmutterschaft geäußert und sich auch während seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister nicht für eine Lockerung der bestehenden Regeln eingesetzt.
Vertreter mehrerer CDU-Landes- und Kreisverbände erklärten, ein Fraktionsvorsitzender müsse besonders hohe Maßstäbe an politische Glaubwürdigkeit und Konsequenz erfüllen. Einzelne Parteifunktionäre sowie ein CDU-Verband im Wahlkreis von Friedrich Merz forderten Spahns Rücktritt.
Merz bezeichnete den Rücktritt als richtig und unvermeidlich
Nach Angaben deutscher Medien führte Friedrich Merz vor der endgültigen Entscheidung mehrere Gespräche mit Vertretern regionaler Parteistrukturen. Der Bundeskanzler wollte demnach klären, ob Spahn innerhalb der CDU noch über ausreichende Unterstützung für eine Fortsetzung seiner Arbeit verfügte.
Die Rückmeldungen sollen überwiegend negativ ausgefallen sein. Nach den Beratungen wurde deutlich, dass das politische Vertrauen in den Fraktionsvorsitzenden erheblich geschwächt war.
Merz bezeichnete Spahns Rücktritt anschließend als richtig und unvermeidlich. Der Kanzler betonte, Vertrauen sei eines der höchsten Güter in der Politik.
Gleichzeitig dankte er Spahn für die Zusammenarbeit. Dieser habe eine wichtige Rolle beim Übergang der CDU/CSU-Fraktion von der Opposition in die Regierungsverantwortung gespielt und zur Umsetzung mehrerer Reformen beigetragen.
Merz und Markus Söder müssen nun gemeinsam einen Kandidaten für den dauerhaften Vorsitz der Unionsfraktion vorschlagen.
Alexander Hoffmann übernimmt vorläufig die Führung
Bis zur Wahl eines Nachfolgers wird der CSU-Politiker Alexander Hoffmann die Geschäfte der Bundestagsfraktion kommissarisch führen.
Hoffmann erklärte, Spahns Entscheidung verdiene großen Respekt. Er dankte dem bisherigen Vorsitzenden für seine Arbeit in einer schwierigen Phase für die Union. Spahn habe einen erheblichen Beitrag zur Arbeit der Koalition und zur Organisation der CDU/CSU-Abgeordneten geleistet.
Der kommissarische Fraktionschef versicherte zudem, dass der Rücktritt die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der Fraktion nicht beeinträchtigen werde. Die Führungsgremien würden ihre Arbeit bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden fortsetzen.
Als möglicher Kandidat für die Nachfolge wird in deutschen Medien unter anderem Kanzleramtschef Thorsten Frei genannt. Eine offizielle Nominierung gibt es bislang jedoch nicht.
Spahn bleibt Mitglied des Bundestages
Der Rücktritt betrifft ausschließlich das Amt des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Über einen Austritt aus der Partei oder die Niederlegung seines Bundestagsmandats wurde nichts bekannt.
Spahn bleibt einer der bekanntesten Politiker des konservativen Lagers. Zuvor war er Bundesgesundheitsminister, gehörte zur CDU-Führung und galt als wichtiger Verbündeter von Friedrich Merz.
Welche Rolle Spahn künftig in der parlamentarischen und parteiinternen Arbeit übernehmen wird, dürfte sich nach der Wahl einer neuen Fraktionsführung entscheiden.
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