Startseite FinanzenBenzin und Diesel sind in Deutschland auf Rekordniveau. Warum 2,50 Euro pro Liter inflationsbereinigt nicht automatisch einen historischen Höchststand bedeuten.

Benzin und Diesel sind in Deutschland auf Rekordniveau. Warum 2,50 Euro pro Liter inflationsbereinigt nicht automatisch einen historischen Höchststand bedeuten.

von Johanna Richter
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Benzin und Diesel sind in Deutschland auf Rekordniveau. Warum 2,50 Euro pro Liter inflationsbereinigt nicht automatisch einen historischen Höchststand bedeuten.

Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind auf ein Niveau gestiegen, das Autofahrer an den Tankstellen bislang kaum gesehen haben. Diesel kostete zeitweise mehr als 2,50 Euro pro Liter, während Superbenzin an die Marke von 2,45 Euro heranrückte. Ein nominaler Preisrekord bedeutet allerdings noch nicht automatisch, dass Kraftstoff gemessen an der Kaufkraft so teuer ist wie nie zuvor. Besonders deutlich wird das bei einem Vergleich der heutigen Benzinpreise mit den Preisen aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu focus.

Kraftstoffpreise in Deutschland sind stark gestiegen

Der jüngste Preissprung ist vor allem auf die gestiegenen Rohölpreise am Weltmarkt zurückzuführen. Zusätzlichen Druck erzeugen die angespannte Lage im Nahen Osten und Probleme auf wichtigen Transportwegen für Rohöl.

Der Ölpreis überschritt erstmals seit Mai wieder die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Die Entwicklung machte sich relativ schnell auch auf dem deutschen Kraftstoffmarkt bemerkbar.

An einzelnen Tankstellen wurde Diesel zeitweise für mehr als 2,50 Euro je Liter angeboten. Superbenzin kostete rund 2,45 Euro. Die durchschnittlichen Tagespreise lagen allerdings etwas niedriger und bewegten sich bei etwas mehr als 2,30 Euro je Liter.

Im Vergleich zum Preisniveau vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten verteuerte sich Diesel um etwa 44 Prozent. Bei Benzin betrug der Anstieg ungefähr 38 Prozent.

Warum der Benzinpreis inflationsbereinigt keinen außergewöhnlichen Rekord darstellt

Die heutigen Beträge wirken besonders hoch, wenn sie direkt mit historischen Preisen verglichen werden. Im Jahr 1950 kostete ein Liter Superbenzin in Westdeutschland etwa 63,3 Pfennig. Für einen Liter Diesel mussten damals ungefähr 33,8 Pfennig bezahlt werden.

Ein direkter Vergleich dieser Zahlen führt jedoch in die Irre. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Kaufkraft des Geldes erheblich verändert.

Wird der Benzinpreis von 1950 entsprechend der langfristigen Inflation auf heutige Verhältnisse umgerechnet, ergibt sich ein Preis von ungefähr 2,21 Euro pro Liter. Beim Diesel läge der entsprechende Wert deutlich niedriger – bei etwa 1,18 Euro.

Damit zeigt sich zwischen den beiden wichtigsten Kraftstoffarten ein erheblicher Unterschied.

Benzin ist real deutlich weniger stark teurer geworden

Ein durchschnittlicher Benzinpreis von rund 2,31 Euro je Liter liegt nur ungefähr fünf Prozent über dem inflationsbereinigten Vergleichswert aus dem Jahr 1950.

Der aktuelle Preis ist damit vor allem nominal ein historischer Höchststand. Berücksichtigt man dagegen die Entwicklung der Kaufkraft über mehr als sieben Jahrzehnte, fällt der Unterschied wesentlich geringer aus.

Auch ohne den jüngsten Anstieg der Rohölpreise hätten sich die deutschen Benzinpreise vergleichsweise nahe an dem langfristigen, inflationsbereinigten Niveau bewegt.

Beim Diesel sieht die Entwicklung dagegen deutlich anders aus.

Warum Diesel in Deutschland wesentlich stärker teurer geworden ist

Bei einem durchschnittlichen Dieselpreis von rund 2,44 Euro pro Liter liegt der Abstand zum inflationsbereinigten Preis von 1950 bei mehr als 100 Prozent. Real betrachtet hat sich Diesel in diesem Zeitraum damit mehr als verdoppelt.

Eine wichtige Erklärung dafür liegt in der deutschen Wirtschaftspolitik der Nachkriegszeit.

Während des Wiederaufbaus spielte Dieselkraftstoff insbesondere für den Güter- und gewerblichen Verkehr eine wichtige Rolle. Der Staat begünstigte diesen Kraftstoff unter anderem durch eine niedrigere steuerliche Belastung.

Im Jahr 1950 lag die Mineralölsteuer bei Benzin bei rund zehn Pfennig pro Liter, bei Diesel dagegen nur bei ungefähr sechs Pfennig. In den folgenden Jahren wurde der Unterschied zeitweise noch größer: Bei Benzin konnte die Belastung etwa 20 Pfennig erreichen, während es bei Diesel lediglich rund fünf Pfennig waren.

Der außergewöhnlich niedrige Dieselpreis der frühen 1950er-Jahre sorgt deshalb dafür, dass der Unterschied zu den heutigen Preisen besonders groß erscheint.

Der Preisabstand zwischen Benzin und Diesel wurde immer kleiner

Der deutliche Preisvorteil von Diesel hielt nicht dauerhaft an. Bereits in den folgenden Jahrzehnten näherte sich der Dieselpreis zunehmend dem Benzinpreis an.

War Diesel 1950 ungefähr halb so teuer wie Benzin, betrug der Unterschied 1960 nur noch rund 20 Prozent. 1970 lag Diesel noch etwa zehn Prozent darunter. Bis 1980 hatten sich die Preise beider Kraftstoffarten weitgehend angenähert.

Danach änderte sich das Verhältnis immer wieder. In manchen Phasen war Diesel günstiger als Benzin, in anderen kosteten beide Kraftstoffarten ähnlich viel oder Diesel war sogar teurer.

Eine solche Situation ist auch heute möglich: Abhängig von der Marktlage kann Diesel an deutschen Tankstellen mehr kosten als Superbenzin.

Die Steuer auf Diesel bleibt niedriger

Trotz der hohen Preise an den Tankstellen sieht das deutsche Steuersystem weiterhin einen niedrigeren Energiesteuersatz für Diesel vor.

Bei Diesel beträgt die Energiesteuer 47,04 Cent pro Liter. Bei Benzin liegt sie dagegen bei 65,45 Cent. Der Unterschied beträgt damit mehr als 18 Cent je Liter.

Die Energiesteuer auf Diesel ist somit fast 30 Prozent niedriger. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Diesel an der Tankstelle günstiger sein muss. Für den Endpreis spielen unter anderem Rohölpreise, Raffineriekosten, Nachfrage, Logistik, CO₂-Kosten, Steuern und die internationale Marktlage eine Rolle.

Wird für einen historischen Vergleich statt 1950 das Jahr 1980 herangezogen, als sich die Preise von Benzin und Diesel bereits deutlich angenähert hatten, wirkt der heutige Dieselpreis wesentlich weniger außergewöhnlich.

Was ein Preis von 2,50 Euro pro Liter bedeutet

Die Marke von 2,50 Euro bleibt für den deutschen Kraftstoffmarkt ein bedeutender psychologischer und nominaler Rekord. Für Autofahrer zählt im Alltag schließlich der Betrag, den sie aktuell an der Zapfsäule bezahlen müssen – unabhängig von historischen Berechnungen.

Besonders deutlich wirkt sich die Verteuerung auf Pendler mit langen täglichen Fahrstrecken sowie auf Transportunternehmen und andere Betriebe mit hohem Kraftstoffverbrauch aus.

Der langfristige Vergleich zeigt jedoch einen erheblichen Unterschied zwischen nominalen und realen Preisen. Beim Benzin liegt das heutige Preisniveau nach Berücksichtigung der Inflation vergleichsweise nahe an den Werten aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Beim Diesel ist der Abstand deutlich größer, wobei ein erheblicher Teil dieser Differenz durch die außergewöhnlich niedrige Ausgangsbasis in den Nachkriegsjahren erklärt wird.

Lesen Sie auch: Deutschland senkt die Steuer auf Benzin und Diesel. Ab Oktober soll Sprit um rund 17 Cent günstiger werden, zudem ist ein Preisdeckel geplant.

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