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Die Energiewirtschaft fordert eine schnelle Reform des WindSeeG, weil der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland ins Stocken geraten ist.

von Johanna Richter
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Die Energiewirtschaft fordert eine schnelle Reform des WindSeeG, weil der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland ins Stocken geraten ist.

Die deutsche Energiewirtschaft fordert die Bundesregierung auf, das Windenergie-auf-See-Gesetz, kurz WindSeeG, zügig zu überarbeiten. Hintergrund ist der stockende Ausbau von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee, der die energiepolitischen Ausbauziele gefährden könnte. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu handelsblatt.

Nach den aktuellen Planungen soll die Leistung der Offshore-Windenergie in Deutschland bis 2030 auf 30 Gigawatt steigen. Bis 2035 sollen es 40 Gigawatt sein, bis 2045 schließlich 70 Gigawatt. Derzeit sind in der deutschen Nord- und Ostsee Offshore-Windanlagen mit einer Leistung von rund 9,7 Gigawatt installiert.

Vertreter der Branche warnen, dass neue Projekte ohne veränderte Rahmenbedingungen an wirtschaftlicher Attraktivität verlieren könnten. Dabei geht es nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um die Planung der Flächen, die Bebauungsdichte auf See und die Bedingungen künftiger Ausschreibungen.

BDEW fordert rasche Änderung des WindSeeG

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, BDEW, hat ein Positionspapier mit Vorschlägen für eine Reform vorgelegt. Darin fordert der Verband pragmatische und schnelle Änderungen der gesetzlichen Vorgaben.

Zu den zentralen Forderungen gehört, Kooperationsprojekte mit anderen Staaten auf die deutschen Ausbauziele für Offshore-Windenergie anrechnen zu können. Außerdem drängt die Branche darauf, Windräder in ausgewiesenen Meeresflächen weniger dicht zu platzieren. Dadurch soll der Stromertrag je Anlage steigen und die Wirtschaftlichkeit der Projekte verbessert werden.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae bezeichnete die Offshore-Windenergie als „Riesen unter den erneuerbaren Energien“. Ihr Potenzial zu erschließen, sei eine zentrale Aufgabe nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa.

Ausschreibungen zeigen schwaches Interesse der Investoren

Die Lage bei der Offshore-Windenergie in Deutschland hat sich nach einem deutlichen Rückgang des Interesses an Ausschreibungen für Meeresflächen verschärft. Bereits 2025 gab es erste Warnsignale: Bei der Ausschreibung im Juni fiel die Nachfrage geringer aus als erwartet. Bei der Ausschreibung im August gingen gar keine Gebote ein.

Für die Energiewirtschaft war dies ein Hinweis darauf, dass die angebotenen Bedingungen nicht zu den wirtschaftlichen Risiken passen. Ein zentrales Problem sind die Eigenschaften der verfügbaren Meeresflächen. Nach Einschätzung der Branche ist ein Teil der Flächen wegen der geplanten hohen Bebauungsdichte wenig attraktiv.

Unternehmen fürchten den sogenannten Abschattungseffekt. Wenn Windräder zu nah beieinanderstehen und mehrere Windparks auf engem Raum konzentriert werden, werden Luftströmungen weniger effizient genutzt. Das senkt die Stromproduktion und verschlechtert die finanziellen Kennzahlen der Projekte.

Hohe Dichte der Windparks mindert ihre Effizienz

Die Frage der Bebauungsdichte ist für Deutschland besonders sensibel, weil die verfügbaren Flächen in Nord- und Ostsee begrenzt sind. Gleichzeitig sehen die politischen Ziele einen starken Zuwachs der installierten Leistung vor.

Je näher Windräder beieinanderstehen, desto stärker können sie den Betrieb benachbarter Anlagen beeinflussen. Für Investoren bedeutet das geringere Planbarkeit der Stromerzeugung, höhere Risiken und schwierigere Berechnungen der Rentabilität.

Der BDEW schlägt deshalb vor, den Ansatz bei der Flächenplanung zu überprüfen. Die Branche geht davon aus, dass eine geringere Dichte der Anlagen zu einer höheren Effizienz führen kann, selbst wenn auf einer einzelnen Fläche formal weniger Technik installiert wird.

Branche will gemeinsame Projekte mit anderen Ländern anrechnen lassen

Ein weiterer Punkt der BDEW-Vorschläge betrifft die internationale Zusammenarbeit. Der Verband spricht sich dafür aus, dass Deutschland gemeinsame Offshore-Projekte mit anderen Ländern auf seine eigenen Ausbauziele anrechnen kann.

Dieser Ansatz soll den Druck auf die begrenzten deutschen Meeresflächen verringern. Die Branche sieht in der Nutzung des Potenzials benachbarter Länder einen möglichen Baustein einer europäischen Energiestrategie.

Als besonders interessanter Partner gilt Dänemark. Das Land verfügt über erhebliche Flächenpotenziale auf See, die über den eigenen Bedarf hinausgehen.

Gleichzeitig betont der BDEW, dass solche Projekte nicht doppelt gezählt werden dürfen — also nicht gleichzeitig vollständig auf die Ziele beider Länder angerechnet werden sollen. In dem Positionspapier heißt es, diese Frage müsse in der Begründung zum WindSeeG eindeutig geregelt werden.

Regierung bereitet Gesetzesänderung vor

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie arbeitet bereits an einer Novelle des Gesetzes. Nach Angaben des Ministeriums laufen derzeit technische und rechtliche Prüfungen. Sie betreffen unter anderem die künftige Investitionsstruktur und die Optimierung der Flächennutzung.

Weitere Details nannte das Ministerium zunächst nicht. In der Energiewirtschaft wird jedoch darauf gedrängt, dass für die Reform nur wenig Zeit bleibt.

Kerstin Andreae erklärte, die Projekte müssten bereits für die Ausschreibungen 2027 wieder wirtschaftlich tragfähig werden. Dafür müsse die Reform des WindSeeG schnell auf den Weg gebracht werden. Die Branche erwartet einen Gesetzentwurf und einen Kabinettsbeschluss noch im Sommer.

Neue Finanzierungsregeln sollen Risiken senken

Neben der Planung der Meeresflächen fordert der BDEW Änderungen am Vergütungssystem für Betreiber von Offshore-Windparks. Die Branche schlägt vor, dieses System dynamisch auszugestalten und an die Entwicklung der Verbraucherpreise zu koppeln.

Derzeit gibt es in Deutschland unterschiedliche Finanzierungsmodelle für Offshore-Windparks. Einige Projekte finanzieren sich ausschließlich über den Verkauf von Strom am Markt. Andere sind gegen zu niedrige Stromerlöse abgesichert: Fällt der Marktpreis unter ein bestimmtes Niveau, wird die Differenz ausgeglichen.

Künftig wird mit der Einführung zweiseitiger Differenzverträge, sogenannter Contracts for Difference oder CfD, gerechnet. Dieses Instrument ist international weit verbreitet. Es garantiert Betreibern einen festen Preis für den erzeugten Strom, der in einer Auktion bestimmt wird.

Liegt der Marktpreis unter dem garantierten Preis, gleicht der Staat die Differenz aus. Liegt der Marktpreis darüber, fließt der Überschuss an den Staat zurück. Das Wirtschaftsministerium hat sich zu diesem Modell zwar noch nicht abschließend festgelegt, zweiseitige CfD gelten jedoch als wahrscheinlichste Option.

BDEW drängt auf Indexierung der Verträge

Nach Ansicht des BDEW reicht ein bloßer Wechsel zu Differenzverträgen nicht aus. Der Verband fordert eine Indexierung solcher Verträge. Das würde bedeuten, dass der garantierte Preis entsprechend der Inflation oder der Verbraucherpreisentwicklung angepasst wird.

Im Positionspapier ist von einer „einfachen Indexierung“ der CfD mindestens auf Basis des europäischen Verbraucherpreisindex die Rede. Der BDEW verweist dabei auf das britische Modell als Beispiel für einen Ansatz, der für Investoren nachvollziehbar sei.

Der Verband warnt vor komplizierten deutschen Sonderlösungen. Aus Sicht der Branche könnten zu komplexe Regeln Investoren abschrecken und die Finanzierungskosten erhöhen.

Investoren kalkulieren Inflation und Kapitalkosten ein

Für Unternehmen der Offshore-Windbranche hat die Indexierung der Verträge praktische Bedeutung. Offshore-Windparks erfordern hohe Investitionen, und ihre Umsetzung dauert mehrere Jahre. In dieser Zeit können sich Preise für Ausrüstung, Baukosten, Zinsen und Finanzierungsbedingungen deutlich verändern.

Benedikt Scheel, Geschäftsführer des Bereichs erneuerbare Energien bei Equinor Deutschland, erklärte, Unsicherheit bei Strompreisen, Investitionshöhe, Inflation und Finanzierungskosten zwinge Unternehmen dazu, hohe Risikoprämien in ihre Gebote einzurechnen.

Dies könne am Ende dazu führen, dass Projekte selbst nach einem Zuschlag nicht umgesetzt würden. Indexierte zweiseitige CfD böten Investoren dagegen Planbarkeit und Sicherheit. Das könne bessere Finanzierungsbedingungen ermöglichen und die Gesamtkosten senken.

Leistung wächst langsamer als die politischen Ziele

Das aktuelle Niveau der Offshore-Windenergie in Deutschland liegt deutlich unter den Zielen für die kommenden Jahre. Die installierte Leistung von 9,7 Gigawatt müsste bis 2030 mehr als verdreifacht werden.

Zum Vergleich: 30 Gigawatt entsprechen der installierten Leistung von etwa 30 großen Kohlekraftwerken. Die tatsächliche Stromerzeugung unterscheidet sich jedoch deutlich. Kohlekraftwerke können nahezu durchgehend im Jahr Strom produzieren, während Offshore-Windräder auf höchstens rund 4000 Volllaststunden pro Jahr kommen.

Für das Erreichen der geplanten Strommengen ist daher nicht nur die installierte Leistung entscheidend, sondern auch der reale Ertrag jeder einzelnen Anlage. Die Branche verbindet dies mit der Anordnung der Windräder, der Qualität der Meeresflächen und der Stabilität der Investitionsbedingungen.

Ausschreibungen 2027 werden zum Gradmesser der Reform

Die Branche betrachtet die Ausschreibungen 2027 als wichtigen Test für das künftige System. Sollten die Bedingungen nicht verändert werden, könnte das Risiko eines schwachen Investoreninteresses bestehen bleiben.

Der BDEW fordert die Politik auf, rasch verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Im Mittelpunkt stehen die Reform des WindSeeG, eine bessere Nutzung der Meeresflächen, die Anrechnung internationaler Kooperationsprojekte und ein indexiertes Fördersystem.

Die Energiewirtschaft verknüpft diese Änderungen mit dem weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland. Ohne neue regulatorische Grundlage warnen Unternehmen vor Risiken für Investitionen, Ausschreibungen und die Erreichung der Ziele der Energiewende.

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