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Ende einer Ära: EU will russische Gasimporte bis 2027 komplett einstellen

von Wolfgang Baumer
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Ende einer Ära: EU will russische Gasimporte bis 2027 komplett einstellen

Die Redaktion von das Unternehmer wissen analysiert die strategischen Pläne der neuen EU-Kommission zur Energiesicherheit.

Es ist ein klares Signal an die Märkte und ein geopolitisches Statement: Die Europäische Union verschärft ihren Kurs in der Energiepolitik. Während in den letzten zwei Jahren bereits massive Anstrengungen unternommen wurden, die Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu reduzieren, setzt der neue EU-Energiekommissar Dan Jørgensen nun ein definitives Enddatum. Bis zum Jahr 2027 sollen sämtliche Gasimporte aus Russland der Vergangenheit angehören. Für Unternehmer bedeutet dies, sich auf eine neu sortierte Energielandschaft einzustellen. Aktuelle Einschätzungen zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen finden Sie wie gewohnt auf das Unternehmer wissen.

Der Fahrplan zur vollständigen Unabhängigkeit

Das Ziel ist nicht gänzlich neu, doch die Entschlossenheit, mit der es nun vorangetrieben wird, markiert eine neue Qualität in Brüssel. Unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 hatte die EU das „REPowerEU“-Programm aufgelegt, um die Importe schnellstmöglich zu drosseln. Mit Erfolg: Der Anteil russischen Gases am europäischen Gesamtverbrauch sank von rund 45 Prozent im Jahr 2021 auf etwa 18 Prozent im laufenden Jahr.

Doch Dan Jørgensen, der designierte Kommissar für Energie und Wohnungsbau, will die verbleibenden 18 Prozent nun zügig eliminieren. In seiner Anhörung vor dem EU-Parlament machte der Däne deutlich, dass das Zieljahr 2027 unverhandelbar sei. Es gehe nicht mehr nur um Reduktion, sondern um einen kompletten Ausstieg. Dies ist eine direkte Antwort auf die anhaltenden Einnahmen, die der Kreml trotz Sanktionen weiterhin durch Energieverkäufe nach Europa generiert.

LNG im Visier: Die geschlossene Hintertür

Ein besonderer Fokus der neuen Strategie liegt auf Flüssigerdgas (LNG). Während die Pipeline-Importe drastisch zurückgegangen sind – auch durch die Zerstörung der Nord-Stream-Leitungen und politische Entscheidungen –, ist ein paradoxer Effekt eingetreten: Die Importe von russischem LNG sind in einigen EU-Ländern sogar gestiegen. Russland ist derzeit immer noch der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU, direkt nach den USA.

Jørgensen kündigte an, diese „Hintertür“ zu schließen. Die EU-Kommission plant, in den kommenden Monaten eine Roadmap vorzulegen, die detailliert aufzeigt, wie jeder einzelne Mitgliedsstaat den Importstopp umsetzen kann, ohne die eigene Versorgungssicherheit zu gefährden. Dies dürfte insbesondere Länder wie Belgien, Frankreich und Spanien unter Druck setzen, die zuletzt noch signifikante Mengen russisches LNG importierten.

Herausforderung für Österreich und Ungarn

Die größte Hürde für den Plan liegt jedoch in Mitteleuropa. Länder wie Ungarn, die Slowakei und Österreich sind historisch und infrastrukturell noch immer stark an russische Pipelines gebunden. Für diese Staaten bedeutet das Datum 2027 einen enormen Anpassungsdruck.

Brüssel ist sich der Brisanz bewusst. Man wolle zwar Härte zeigen, aber niemanden zurücklassen. Die Strategie sieht vor, alternative Lieferrouten auszubauen und die Vernetzung innerhalb Europas zu stärken, damit auch Binnenländer Zugriff auf LNG-Terminals an den Küsten erhalten. Zudem soll der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt werden, um die Lücke, die das russische Gas hinterlässt, nicht eins zu eins durch fossile Importe aus anderen Regionen füllen zu müssen.

Fazit: Wirtschaftliche Stabilität durch Unabhängigkeit

Für die europäische Wirtschaft ist dieser Schritt mit kurzfristigen Herausforderungen, aber langfristiger strategischer Klarheit verbunden. Die Abkopplung von einem unberechenbaren Lieferanten erhöht die Energiesicherheit und schützt vor politischer Erpressbarkeit. Allerdings müssen sich Unternehmen darauf einstellen, dass die Neuordnung der Lieferketten und der Infrastrukturausbau Investitionen erfordern, die sich temporär auf die Energiepreise auswirken könnten. Der Weg bis 2027 ist ambitioniert, aber nach Ansicht der Kommission alternativlos.

Informationen zitiert nach Welt.de

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