Apple hat Klage gegen OpenAI eingereicht und erhebt schwere Vorwürfe wegen der mutmaßlich rechtswidrigen Beschaffung und Nutzung von Geschäftsgeheimnissen. In der Klageschrift beschreibt der iPhone-Hersteller ein angeblich mehrstufiges Vorgehen, an dem ehemalige Apple-Mitarbeiter, Ingenieure, Führungskräfte aus dem Hardwarebereich von OpenAI sowie Bewerber beteiligt gewesen sein sollen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu businessinsider.
Die Klage wurde am Freitag eingereicht. Apple behauptet, OpenAI habe sich nicht darauf beschränkt, Fachkräfte des Konkurrenten einzustellen. Das Unternehmen soll vielmehr systematisch deren Wissen, ihren Zugang zu internen Unterlagen und ihre Kenntnisse über vertrauliche Entwicklungen genutzt haben, um einen eigenen Geschäftsbereich für Verbrauchergeräte aufzubauen.
In den Gerichtsunterlagen ist von einem „koordinierten System institutioneller Verstöße“ die Rede. Nach Darstellung von Apple soll dieses Vorgehen die Ausnutzung von Sicherheitsmängeln, das Herunterladen geheimer technischer Unterlagen, die Weitergabe interner Informationen an OpenAI sowie die Präsentation geschützter Bauteile während Bewerbungsgesprächen umfasst haben.
Ein Sprecher von OpenAI wies die Anschuldigungen gegenüber Business Insider zurück. Das Unternehmen sei nicht an den Geschäftsgeheimnissen anderer Firmen interessiert und konzentriere sich weiterhin auf die Entwicklung von Technologien, die Menschen weltweit neue Möglichkeiten eröffnen sollen.
Apple spricht von einer ausgenutzten Schwachstelle im internen System
Nach Angaben in der Klageschrift begann Apples interne Untersuchung, nachdem der frühere Mitarbeiter Chang Liu im Januar zu OpenAI gewechselt war. Apple behauptet, dass er nach seinem Ausscheiden einen Firmenlaptop nicht zurückgegeben und weiterhin Zugriff auf interne Apple-Systeme gehabt habe.
Der Zugang soll aufgrund einer möglichen Schwachstelle im Authentifizierungssystem aktiv geblieben sein. Apple wirft dem ehemaligen Mitarbeiter vor, den Fehler nicht an die Sicherheitsabteilung gemeldet und die Unternehmenssysteme auch nach seinem Wechsel zu OpenAI weiter genutzt zu haben.
Laut Klageschrift soll Liu Dutzende vertrauliche technische Dateien heruntergeladen haben. Darunter sollen sich Unterlagen zu noch nicht veröffentlichten Geräten, Produktionsverfahren, technischen Spezifikationen, internen Präsentationen und Eigenschaften künftiger Produkte befunden haben.
Apple beschuldigt Liu außerdem, eine weitere Mitarbeiterin des Konzerns, die sich bei OpenAI bewarb, dazu gedrängt zu haben, vor ihren Bewerbungsgesprächen vertrauliche Dokumente zu kopieren.
In der Klage heißt es, Liu habe ihr erklärt, wie sie die Aufmerksamkeit der internen Apple-Sicherheitsabteilung vermeiden könne. Die weitere Kommunikation sollen beide in einen externen Messenger verlagert haben, um das Risiko einer Entdeckung zu reduzieren.
OpenAI soll Bewerbungsgespräche zur Beschaffung geheimer Daten genutzt haben
Ein weiterer Teil der Vorwürfe betrifft den Einstellungsprozess. Apple ist der Ansicht, dass OpenAI Bewerbungsgespräche nicht nur zur Bewertung von Kandidaten, sondern auch zum Zugang zu internen Entwicklungen des Konkurrenten genutzt haben könnte.
Mit dem Ausbau seiner Hardwareaktivitäten begann OpenAI, Ingenieure und Führungskräfte großer Technologiekonzerne anzuwerben. Mehrere Fachkräfte, die bei Apple an Hardware gearbeitet hatten, wechselten zu dem Entwickler von ChatGPT.
In den Gerichtsunterlagen wird Tang Tan genannt, ein früherer Apple-Vizepräsident, der 24 Jahre für den Konzern tätig war. Nach Darstellung des Klägers soll er Bewerber aufgefordert haben, physische Komponenten zu Vorstellungsgesprächen mitzubringen und dort vorzuführen.
Apple behauptet außerdem, Vertreter von OpenAI hätten Bewerber gebeten, Prototypen zu zeigen, technische Informationen offenzulegen und Angaben zu Zulieferern zu machen.
In einem der geschilderten Fälle soll ein ehemaliger Apple-Mitarbeiter Screenshots angefertigt und Dateien aus einem „streng geheimen Apple-Projekt“ heruntergeladen haben. Während eines späteren Bewerbungsgesprächs soll Tang Tan Fragen genau zu diesem Projekt gestellt haben.
Apple geht davon aus, dass Kandidaten nicht nur wegen ihrer fachlichen Fähigkeiten eingestellt worden sein könnten, sondern auch wegen ihres Zugangs zu vertraulichem Wissen, das sie bei der Arbeit an geschützten Projekten des iPhone-Herstellers erworben hatten.
Die Klage legt nahe, dass der Einstellungsprozess bei OpenAI darauf ausgerichtet gewesen sein könnte, neue Mitarbeiter samt ihrer Kenntnisse über Apple-interne Dokumente, Verfahren und Technologien zu gewinnen.
Apple vermutet eine mögliche Beteiligung der OpenAI-Führung
Apple zufolge wandte sich das Unternehmen bereits zu Beginn des Jahres an OpenAI und äußerte Bedenken, dass eigene Geschäftsgeheimnisse in die Geschäftsprozesse des KI-Entwicklers gelangt sein könnten.
Der Konzern forderte OpenAI auf, eine interne Untersuchung einzuleiten und zu prüfen, ob vertrauliche Apple-Unterlagen bei der Entwicklung eigener Hardwareprodukte verwendet worden seien.
In der Klageschrift heißt es, OpenAI habe darauf keine inhaltliche Antwort gegeben. Apple habe deshalb seine eigenen Ermittlungen fortgesetzt und sich schließlich zu einer Klage entschlossen.
Der Konzern geht davon aus, dass die bisher entdeckten Vorgänge nur einen kleinen Teil eines möglicherweise weit größeren Systems darstellen. Apple erklärt, keine vollständige Kenntnis darüber zu haben, wie vertrauliche Informationen innerhalb von OpenAI verwendet worden sein könnten.
Nach Auffassung des Klägers könnten Verstöße auf mehreren Ebenen stattgefunden haben – von technischen Mitarbeitern bis hin zu Führungskräften des Hardwarebereichs.
In den Gerichtsunterlagen beschuldigt Apple OpenAI, dessen Mitarbeiter und Geschäftspartner ausdrücklich, Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Informationen rechtswidrig erlangt zu haben.
Der Hardwarebereich von OpenAI könnte nach Darstellung des Konzerns auf gestohlenen Unterlagen aufgebaut worden sein. Seine technologische Grundlage sei damit möglicherweise durch die unrechtmäßige Verwendung fremder Entwicklungen entstanden.
Was Apple von OpenAI fordert
Apple verlangt eine finanzielle Entschädigung. Die genaue Höhe des Schadensersatzes soll im Verlauf des Verfahrens festgelegt werden.
Darüber hinaus fordert das Unternehmen gerichtliche Anordnungen, die OpenAI die Speicherung, Nutzung oder Weitergabe von Apple-Geschäftsgeheimnissen untersagen.
Die Verbote könnten sowohl OpenAI selbst als auch einzelne Beklagte betreffen, die nach Auffassung Apples an der Beschaffung vertraulicher Informationen beteiligt waren.
Der iPhone-Hersteller erklärt, keine andere Wahl gehabt zu haben, als vor Gericht zu ziehen. OpenAI habe nicht angemessen reagiert, und Apple habe nicht sicherstellen können, dass die internen Materialien nicht weiter verwendet würden.
Die Klage könnte eine breite Palette von Unterlagen betreffen, darunter technische Spezifikationen, Prototypen, Produktionsmethoden, Informationen über Zulieferer und Details zu noch nicht veröffentlichten Apple-Produkten.
Der Rechtsstreit verschärft die Beziehungen zwischen Apple und OpenAI
Der Konflikt markiert eine deutliche Verschlechterung der Beziehungen zwischen zwei Unternehmen, die noch vor Kurzem eine der sichtbarsten Partnerschaften im Bereich künstlicher Intelligenz aufgebaut hatten.
Im Jahr 2024 integrierte Apple ChatGPT in Apple Intelligence. Dadurch erhielten Nutzer von Apple-Geräten Zugang zu den Funktionen der generativen KI von OpenAI.
Die Beziehungen wurden angespannter, als OpenAI seine Arbeit an eigenen Verbrauchergeräten intensivierte. Für diesen Bereich stellte das Unternehmen ehemalige Führungskräfte, Designer und Ingenieure von Apple ein.
Nach Darstellung von Apple wurden gerade die Hardwareambitionen von OpenAI zu einem zentralen Auslöser des Konflikts. Der iPhone-Konzern vermutet, dass der Konkurrent das Wissen und interne Informationen früherer Apple-Mitarbeiter genutzt haben könnte, um die Entwicklung eigener Produkte zu beschleunigen.
Die Klage von Apple ist ein weiterer aufsehenerregender Rechtsstreit, in dem OpenAI unlautere Geschäftspraktiken und die rechtswidrige Verwendung fremder Informationen vorgeworfen werden.
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