Deutschland verzeichnet bereits Hunderte hitzebedingte Todesfälle, obwohl die extremste Hitzewelle Ende Juni noch nicht in die offizielle Statistik eingeflossen ist. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) starben bis zum 21. Juni 810 Menschen an den Folgen der hohen Temperaturen. Fachleute gehen davon aus, dass die endgültige Zahl deutlich höher ausfallen wird, da die Rekordtemperaturen von über 41 Grad Celsius Ende Juni erst im nächsten Bericht berücksichtigt werden. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu taz.
Mehr als 800 Todesfälle noch vor dem Höhepunkt der Hitzewelle
Im aktuellen Monitoringbericht analysierte das Robert Koch-Institut den Zeitraum der Kalenderwochen 15 bis 25. Der Berichtszeitraum endet am 21. Juni.
Für diesen Zeitraum wurden 810 hitzebedingte Todesfälle geschätzt. Rund 40 Verstorbene waren jüngere Menschen, während etwa 500 Opfer älter als 85 Jahre waren.
Die höchsten Temperaturen wurden jedoch erst nach Ende des Berichtszeitraums gemessen. Im Saarland wurden 41,3 Grad Celsius, in Sachsen-Anhalt 41,5 Grad und in Brandenburg 41,7 Grad registriert. Diese Hitzewelle wird daher erst im nächsten RKI-Bericht berücksichtigt.
Wie hitzebedingte Todesfälle ermittelt werden
Experten erklären, dass Hitze in Sterbeurkunden nur selten direkt als Todesursache angegeben wird. Eine Ausnahme bildet der Hitzschlag, bei dem eine Überhitzung des Körpers zum Versagen lebenswichtiger Organe führt.
In den meisten Fällen werden Herz-Kreislauf-Versagen, Atemstillstand oder andere medizinische Ursachen als unmittelbare Todesursache eingetragen. Deshalb berechnen Fachleute die sogenannte Übersterblichkeit.
Dabei wird die übliche Sterblichkeit eines Zeitraums mit der tatsächlichen Zahl der Todesfälle während einer Hitzewelle verglichen. Liegt die Sterblichkeit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, werden diese zusätzlichen Todesfälle statistisch der Hitze zugerechnet.
Ältere Menschen und chronisch Kranke tragen das höchste Risiko
Nach Einschätzung von Gesundheitsexperten sind besonders gefährdet:
- ältere Menschen;
- Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Leiden;
- Schwangere;
- Kleinkinder;
- Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen.
Mit zunehmendem Alter reagiert der Körper empfindlicher auf starke Hitze. Zudem können bestimmte Medikamente die Risiken während Hitzewellen zusätzlich erhöhen. Auch soziale Faktoren wie Isolation, Armut oder schlechte Wohnverhältnisse steigern die gesundheitliche Gefährdung.
Hitzewellen treten in Deutschland immer häufiger auf
Klimadaten zeigen, dass die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen ist. Während es in den 1950er-Jahren durchschnittlich nur etwa drei solcher Tage pro Jahr gab, sind es heute rund zwölf. In besonders heißen Jahren wurden sogar bis zu zwanzig Hitzetage registriert.
Außerdem zählen acht der vergangenen zehn Jahre zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland.
Hitze fordert mehr Todesopfer als der Straßenverkehr
Nach Einschätzung von Fachleuten stellen extreme Hitzewellen inzwischen die größte wetterbedingte Gefahr für die Bevölkerung in Deutschland dar. Im Gegensatz zu Überschwemmungen, Stürmen oder Starkregen, die meist regional begrenzt auftreten, erfassen Hitzewellen große Teile des Landes gleichzeitig.
Die Zahlen der vergangenen Jahre verdeutlichen diese Entwicklung. Im Sommer 2018 wurden mehr als 8.500 hitzebedingte Todesfälle registriert, 2019 waren es rund 7.000. In jedem der vergangenen drei Jahre starben jeweils etwa 3.000 Menschen infolge extremer Hitze.
Experten betonen, dass Hitze in Deutschland inzwischen mehr Menschenleben fordert als Verkehrsunfälle.
Die Folgen der jüngsten Hitzewelle sind bereits in einzelnen Bundesländern spürbar. So berichteten zuständige Stellen in Nordrhein-Westfalen von erheblichen Problemen bei der Überführung Verstorbener, da die Zahl der Todesfälle innerhalb kurzer Zeit deutlich angestiegen ist.
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