Startseite AktuellesStreit um Sophie von der Tann: ARD-Autorin Rita Knobel-Ulrich kritisiert ihre Israel-Berichte und die geplante Verleihung des Katharina-Zell-Preises.

Streit um Sophie von der Tann: ARD-Autorin Rita Knobel-Ulrich kritisiert ihre Israel-Berichte und die geplante Verleihung des Katharina-Zell-Preises.

von Johanna Richter
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Streit um Sophie von der Tann: ARD-Autorin Rita Knobel-Ulrich kritisiert ihre Israel-Berichte und die geplante Verleihung des Katharina-Zell-Preises.

In Deutschland ist eine öffentliche Debatte über die Entscheidung entbrannt, die frühere ARD-Korrespondentin in Israel, Sophie von der Tann, mit dem Katharina-Zell-Preis 2026 auszuzeichnen. Die langjährige ARD-Autorin und Filmemacherin Rita Knobel-Ulrich richtete einen offenen Brief an den Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau und übte darin scharfe Kritik an der Wahl der Preisträgerin. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu juedische-allgemeine.

Die Auszeichnung soll von der Tann am 7. September in der Jugendkulturkirche St. Peter in Frankfurt am Main überreicht werden. Die Veranstalter würdigten ihre journalistische Arbeit und ihren Beitrag zur Einordnung des komplexen Nahostkonflikts. Knobel-Ulrich widerspricht dieser Einschätzung entschieden.

ARD-Autorin wirft von der Tann einseitige Berichterstattung vor

In dem am 23. August veröffentlichten offenen Brief erklärte Knobel-Ulrich, sie habe als regelmäßige Zuschauerin von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ die Berichterstattung von der Tann nicht als ausgewogen wahrgenommen.

Nach ihrer Darstellung habe die Journalistin dem Leid der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen deutlich mehr Raum gegeben, während die Folgen des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 sowie die Situation der israelischen Bevölkerung zu wenig thematisiert worden seien.

Knobel-Ulrich verweist unter anderem auf Familien im Norden Israels, die wegen des Beschusses durch die Hisbollah evakuiert worden seien, auf Angehörige israelischer Soldaten sowie auf Bewohner der Kibbuzim nahe dem Gazastreifen, die bei dem Angriff vom 7. Oktober betroffen waren.

Dabei handelt es sich um die Bewertung der Autorin des offenen Briefes und nicht um das Ergebnis einer unabhängigen Untersuchung der ARD-Berichterstattung.

Kritik an Bildmaterial aus dem Gazastreifen

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Fotos und Videos aus dem Gazastreifen.

Knobel-Ulrich argumentiert, bei der Nutzung solchen Materials hätte stärker auf die schwierigen Bedingungen hingewiesen werden müssen, unter denen lokale Journalisten und Kamerateams arbeiten. Sie behauptet zudem, der Einfluss der Hamas auf die Informationslage im Gazastreifen sei in der Berichterstattung von der Tann nicht ausreichend dargestellt worden.

Die Autorin des Briefes stellt außerdem die von den Preisverleihern hervorgehobene „Mutigkeit“ der Journalistin infrage. Sie verweist darauf, dass von der Tann bei Aufnahmen in Tunneln von israelischen Soldaten begleitet worden sei und das Aufsuchen von Schutzräumen bei Raketenalarm für zahlreiche Menschen in Israel seit Jahren zum Alltag gehöre.

Kritik richtet sich auch gegen die evangelische Kirche

Im letzten Teil ihres Schreibens wendet sich Knobel-Ulrich direkt an die evangelische Organisation, die den Preis vergibt.

Sie verbindet die Auszeichnung mit einer grundsätzlicheren Debatte über die Haltung der evangelischen Kirche zu Israel und zum Antisemitismus. Dabei erinnert sie an die Rolle protestantischer Gruppierungen während der Zeit des Nationalsozialismus und fordert eine deutlichere Unterstützung für jüdisches Leben in Deutschland sowie für das Existenzrecht Israels.

Knobel-Ulrich äußert außerdem die Vermutung, Entscheidungen dieser Art könnten unter Kirchenmitgliedern für zusätzlichen Unmut sorgen und weitere Kirchenaustritte begünstigen. Zahlen oder andere Belege für ein solches Szenario nennt sie nicht.

Was über den Preis für Sophie von der Tann bekannt ist

Sophie von der Tann war als ARD-Korrespondentin in Israel tätig und berichtete über den Krieg nach dem Hamas-Angriff im Oktober 2023. Für 2026 hat der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau entschieden, ihr den Katharina-Zell-Preis zu verleihen.

Die Organisatoren würdigen ihre Arbeit als professionelle und verständliche Einordnung eines äußerst komplexen Konflikts. Die Preisverleihung ist für den 7. September 2026 in Frankfurt am Main geplant.

Der offene Brief von Rita Knobel-Ulrich wurde am 23. August von der „Jüdischen Allgemeinen“ veröffentlicht. Das Medium kennzeichnete den Text als Meinungsbeitrag und dokumentierte damit die öffentliche Kritik an von der Tann und an den Initiatoren der Auszeichnung.

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