In Deutschland sollen die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung erstmals seit 2007 erhöht werden. Nach aktuellen Prognosen wird der Gesamtbeitragssatz im Jahr 2028 von derzeit 18,6 Prozent auf 19,9 Prozent steigen. Bereits 2029 soll er die Marke von 20 Prozent erreichen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu focus.
Derzeit zahlen Arbeitnehmer 9,3 Prozent ihres Bruttogehalts in die gesetzliche Rentenversicherung ein, während Arbeitgeber denselben Anteil übernehmen. Dieser Beitragssatz ist seit 2018 unverändert.
Nach Berechnungen des Ökonomen und Mitglieds des Sachverständigenrates der Bundesregierung, Martin Werding, wird der Arbeitnehmeranteil durch die Erhöhung auf 9,95 Prozent steigen. Für Beschäftigte mit Durchschnittseinkommen bedeutet dies zusätzliche Kosten von rund 510 Euro pro Jahr beziehungsweise etwa 42,50 Euro pro Monat.
Wer von der Beitragserhöhung betroffen ist
Die neuen Beitragssätze gelten für alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten bis zur geltenden Beitragsbemessungsgrenze.
Im Jahr 2026 liegt diese Grenze bei 8.450 Euro brutto pro Monat. Die Berechnung der zusätzlichen Belastung von 510 Euro basiert auf einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von rund 51.944 Euro. Wer weniger verdient, wird entsprechend geringere Mehrkosten tragen.
Da Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge jeweils zur Hälfte finanzieren, steigen auch die Kosten für Unternehmen.
Warum das Rentensystem mehr Geld benötigt
Grund für die Beitragserhöhung ist der deutliche Rückgang der finanziellen Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung, der sogenannten Nachhaltigkeitsrücklage.
Ende 2025 belief sich diese Reserve auf 41,3 Milliarden Euro. Aktuelle Finanzprognosen gehen jedoch davon aus, dass die Rücklagen bis Ende 2027 deutlich abschmelzen werden.
Bereits heute gibt die Rentenversicherung mehr Geld aus, als sie einnimmt. Im Jahr 2025 standen Einnahmen von 417,4 Milliarden Euro Ausgaben in Höhe von 421,3 Milliarden Euro gegenüber. Nach den gesetzlichen Vorgaben müssen die Beiträge erhöht werden, sobald die Rücklage unter die vorgeschriebene Mindestgrenze sinkt. Dieser Punkt wird voraussichtlich im Jahr 2028 erreicht.
Beitragssatz könnte langfristig über 21 Prozent steigen
Als Hauptursache für die steigende Belastung gilt die demografische Entwicklung. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer erreichen zunehmend das Rentenalter, während gleichzeitig weniger junge Menschen in das beitragsfinanzierte System eintreten.
Nach Prognosen der Deutschen Rentenversicherung wird der Beitragssatz auch nach 2028 weiter steigen. Bis 2035 könnte er 20,9 Prozent erreichen, bis 2040 sogar 21,1 Prozent.
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