Palantir hat am 2. November Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen: 2,31 Milliarden Dollar Umsatz im dritten Quartal, ein Plus von 96 Prozent, und erstmals mehr als zwei Milliarden in einem Quartal. Die Aktie stieg nachbörslich zunächst um rund 1,5 Prozent und drehte dann ins Minus, am 3. November schloss sie laut MarketScreener bei 175,40 Dollar und 1,65 Prozent tiefer. Wer die Reaktion verstehen will, muss auf drei Dinge schauen: den Auftragseingang, die Bewertung und die Stimmung im gesamten KI-Sektor. Für Unternehmen, die KI-Software einkaufen, enthält der Bericht außerdem eine Lehre zur Abhängigkeit von US-Anbietern.
Die Zahlen des dritten Quartals im Überblick
Die folgenden Werte stammen aus der Berichterstattung von Fortune und Der Aktionär über die Unternehmensmitteilung.
| Kennzahl | Q3 2026 | Q3 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz gesamt | 2,31 Mrd. Dollar | rund 1,2 Mrd. Dollar | +96 % |
| US-Geschäftskunden | 984 Mio. Dollar | 397 Mio. Dollar | +148 % |
| US-Regierung | 953 Mio. Dollar | 486 Mio. Dollar | +96 % |
| Abgeschlossener Vertragswert (TCV) | 2,9 Mrd. Dollar | – | +6 % |
| Gewinn je Aktie, bereinigt | 0,44 Dollar | 0,21 Dollar | verdoppelt |
Analysten hatten 2,18 Milliarden Dollar Umsatz und 41 Cent bereinigten Gewinn je Aktie erwartet. Für das vierte Quartal stellt Palantir 2,64 bis 2,65 Milliarden Dollar in Aussicht, erwartet worden waren rund 2,46 Milliarden. Die Jahresprognose steigt auf etwa 8,53 Milliarden Dollar. Die bereinigte operative Marge lag bei 62 Prozent. Erstmals übertraf das US-Geschäft mit Unternehmen das mit der US-Regierung.
Warum die Aktie trotz Rekordquartal nachgab
Der Vertragswert wächst deutlich langsamer als der Umsatz
Der Umsatz legte um 96 Prozent zu, der Wert neu abgeschlossener Verträge nur um 6 Prozent. Bei US-Geschäftskunden waren es 11 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Eine eigene Rechnung macht das greifbar: Der Vertragswert entspricht dem 1,26-Fachen des Quartalsumsatzes. Vergleichbar ist das nur grob, weil Verträge über mehrere Jahre laufen und ein einzelnes Quartal stark schwanken kann. Es erklärt aber, warum Analysten wie die von UBS den stagnierenden Auftragsbestand thematisieren.
Die Bewertung lässt wenig Spielraum
Der Aktionär nennt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 156 und einen Börsenwert von gut 404 Milliarden Euro. Bei solchen Multiplikatoren reicht es nicht, die Erwartung um 6 Prozent zu schlagen, wie Palantir es beim Umsatz getan hat (eigene Rechnung: 2,31 gegenüber 2,18 Milliarden). MarketScreener weist ein durchschnittliches Analysten-Kursziel von 217,97 Dollar aus, gerechnet von 33 Analysten. Solche Ziele sind Einschätzungen und werden nach Kursbewegungen oft angepasst.
Der ganze Sektor steht unter Druck
Der Nasdaq Composite verlor laut Fortune binnen fünf Tagen rund 4 Prozent. Intel gab in der Vorwoche etwa 29 Prozent ab, Alphabet verlor nach seinen Zahlen 505 Milliarden Dollar Börsenwert. Was die Alphabet-Zahlen für Cloud- und Werbekunden bedeuten, haben wir gesondert beschrieben. Hinzu kommt der schwächere Dollar nach den US-Zwischenwahlen: Wer in Euro rechnet, sieht bei US-Aktien eine zusätzliche Bewegung, die nichts mit dem Geschäft des Unternehmens zu tun hat.
CEO Alex Karp schlug in seinem Aktionärsbrief einen ungewöhnlich scharfen Ton an. Laut Der Aktionär dankte er den Anlegern für ihre Verteidigung des Unternehmens und schrieb, wer sie verspottet habe, solle dafür leiden. Für die Anlageentscheidung liefert das keine Kennzahl. Karps Name gehörte am 4. November zu den Google-Suchtrends in Deutschland.
Was Privatanleger und Unternehmer mit Aktiendepot prüfen können
- Position im Depot: Wie viel Prozent des Vermögens hängen an einer einzelnen Aktie mit einem KGV dieser Höhe? Eine Rechnung mit 30 Prozent Rückgang zeigt, ob die Position noch tragbar wäre.
- Indirektes Exposure: Wer breit gestreute Welt-ETFs hält, ist über die US-Technologiewerte im Index ohnehin im KI-Handel investiert. Das Factsheet des eigenen Fonds zeigt die größten Positionen; Grundlagen dazu stehen in unserem Beitrag zum Vermögensaufbau mit dem MSCI World.
- Nächster Bericht: Beim vierten Quartal lohnt der Blick auf den Vertragswert neben dem Umsatz. Die eigene Prognose von 2,64 bis 2,65 Milliarden Dollar ist die Messlatte.
- Betriebsvermögen: Liegen Aktien in einer GmbH oder Holding, gelten andere Steuerregeln als im Privatdepot. Das gehört vor einer Umschichtung in die Abstimmung mit dem Steuerberater.

Was Unternehmen beim Einkauf von KI-Software mitnehmen
Aus den gemeldeten Segmenten ergibt sich eine weitere eigene Rechnung: 984 plus 953 Millionen Dollar macht 1,94 Milliarden, also rund 84 Prozent des Quartalsumsatzes aus den USA. Rund 370 Millionen Dollar entfallen auf den Rest der Welt. Das Geschäft hängt damit ganz überwiegend am US-Markt; im Unternehmensprofil von MarketScreener stehen die USA mit gut 74 Prozent der Erlöse an erster Stelle.
In Deutschland hat die Debatte eine politische Seite. Im Mai berichtete das Portal The Next Web unter Berufung auf das Handelsblatt, Vizeadmiral Thomas Daum vom Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr halte Palantir derzeit für keine Option, weil Mitarbeiter eines privaten US-Unternehmens keinen Zugang zu nationalen Daten erhalten sollten. Auf der Liste standen demnach Almato aus Stuttgart, Orcrist aus Berlin und ChapsVision aus Paris. Wie die Vergabe ausgegangen ist, konnten wir nicht bestätigen.
Ein Mittelständler steht vor kleineren Summen und anderen Risiken, die Fragen ähneln sich aber:
- Wo liegen unsere Daten, und welche Mitarbeiter des Anbieters können im Support darauf zugreifen?
- Wie kommen wir bei einem Anbieterwechsel an Daten, Modelle und Auswertungen, und zu welchen Kosten?
- Gibt es Vertragsklauseln für Preiserhöhungen, wenn der Anbieter stark wächst und die Marge hält?
- Welche Abhängigkeit entsteht, wenn zentrale Abläufe in der Plattform des Anbieters modelliert sind?
Eine Marge von 62 Prozent zeigt, dass der Anbieter Preismacht hat. Für Einkäufer heißt das, Konditionen und Ausstiegsklauseln vor Vertragsschluss festzuschreiben und nicht erst bei der Verlängerung darüber zu sprechen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aktien können erheblich an Wert verlieren. Stand: 4. November 2026.
Titelbild: Foto: ajay_suresh, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons