Startseite FinanzenDollar fällt nach den US-Midterms: Was Importeure, Exporteure und Anleger jetzt prüfen sollten

Dollar fällt nach den US-Midterms: Was Importeure, Exporteure und Anleger jetzt prüfen sollten

von Wolfgang Baumer
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Skulptur Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Die Demokraten haben bei den US-Zwischenwahlen beide Kammern des Kongresses gewonnen, der Dollar gab daraufhin nach und Gold stieg über 4.000 Dollar je Feinunze. Der Euro kletterte am Mittwochmorgen um 0,4 Prozent auf rund 1,123 Dollar, kurzzeitig sogar über 1,125 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit zwei Wochen. Für deutsche Unternehmen mit Dollargeschäft ist das bisher eine kleine Bewegung, sie zeigt aber, wo in den kommenden Monaten Risiken liegen. Offene Dollar-Forderungen und -Verbindlichkeiten sollten jetzt auf den Tisch, ohne dass daraus schon eine Wette auf die Richtung des Kurses wird.

Wie die Märkte am Morgen nach der Wahl reagierten

Zum Stand 7.40 Uhr MEZ kamen die Demokraten laut Euronews auf 220 Sitze im Repräsentantenhaus, zwei mehr als für die Mehrheit nötig, und nahmen den Republikanern sieben Senatssitze ab. Die Zahlen unten sind Momentaufnahmen vom Vormittag des 4. November.

Markt Stand Bewegung
Euro/Dollar ca. 1,123 +0,4 %, kurz über 1,125
Gold rund 4.011 US-Dollar +2 %
Silber 51,49 US-Dollar +3,4 %
Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen 4,94 % −2,9 Basispunkte
Brent rund 104 US-Dollar –
Dax 26.099 Punkte um 10.40 Uhr Schluss Dienstag: 25.864,62

Der Dax drehte im Laufe des Vormittags: Vorbörslich taxierte IG Markets ihn noch bei 25.730 Punkten, um 10.40 Uhr lag er laut Onvista schon über 26.000. Laut WirtschaftsWoche legte der Stoxx 600 am Morgen 0,9 Prozent zu. Ein klares Signal lässt sich aus diesen ersten Stunden nicht ablesen.

Was Analysten zum Dollar sagen

Die Einschätzungen gehen auseinander. Francesco Pesole von ING erwartet keine unmittelbare Wirkung, weil der Dollar weiter vor allem auf die US-Notenbank reagiere. Die Commerzbank hält dagegen laut MercoPress weitere Schwäche für möglich, da die jüngste Dollarstärke von Kapitalzuflüssen in US-Aktien getragen worden sei und gerade der Nasdaq nun unter Druck geraten könne. Diego Barnuevo von Ebury rechnet damit, dass die US-Schuldenobergrenze 2027 bindend wird, und Ed Yardeni warnt, ein langer Streit darüber könne die Finanzierungskosten erhöhen.

Für die Planung folgt daraus eine Bandbreite, keine Richtung.

Was der Kurs für Importeure und Exporteure bedeutet

Bei einer Rechnung über 100.000 US-Dollar macht der Wechselkurs diesen Unterschied in Euro:

Euro/Dollar 100.000 US-Dollar in Euro Differenz zum Kurs 1,1232
1,10 90.909 Euro +1.878 Euro
1,1232 89.031 Euro 0
1,15 86.957 Euro −2.075 Euro

Die Kurse 1,10 und 1,15 sind Rechenbeispiele und keine Prognosen. Wer Dollar bekommt, verliert bei steigendem Euro. Wer in Dollar bezahlt, spart.

Containerschiff unter Kränen am Containerterminal Tollerort im Hamburger Hafen
Containerterminal Tollerort im Hamburger Hafen. Foto: Matti Blume, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Exporteure

Listen Sie offene und erwartete Dollar-Eingänge nach Fälligkeit auf und rechnen Sie aus, ab welchem Kurs die Marge eines Auftrags kippt. Dieser Wert entscheidet über die Absicherung per Devisentermingeschäft oder Option. Wer wenig Dollargeschäft hat, stellt Ausgaben und Einnahmen in Dollar gegeneinander und sichert nur den Rest ab, und bei neuen Angeboten helfen kürzere Preisbindungen oder eine Kursklausel. Dass Währungen nach einer Wahl auch deutlich stärker ausschlagen können, zeigte zuletzt der Real-Absturz nach der Stichwahl in Brasilien.

Importeure

Ein schwächerer Dollar senkt die Euro-Kosten von Waren, die in Dollar fakturiert sind. Zölle und Frachtaufschläge gehören separat in die Kalkulation. Prüfen Sie, welche Bestellungen ohnehin anstehen, und rechnen Sie die Kalkulation mit dem aktuellen Kurs neu durch, bevor Sie Preise an Kunden weitergeben. Wer jetzt Dollar für spätere Zahlungen sichern will, sollte die Kosten der Absicherung bei der Hausbank vergleichen. Das gilt besonders dort, wo sich die Bankbeziehung gerade ändern kann, wie die Commerzbank-Übernahme für Firmenkunden zeigt.

Zölle bleiben ein eigenes Thema

Der Machtwechsel im Kongress beseitigt die Zölle nicht, zumal Donald Trump bereits signalisiert hat, die Vorhaben der Demokraten mit seinem Veto zu blockieren. In einer Nachwahlbefragung sagten laut Euronews etwa zwei Drittel, die Zölle hätten der Wirtschaft geschadet. Das ändert die Rechtslage nicht. Der Supreme Court kippte die Notstandszölle im Februar, die Regierung stützte sie anschließend auf Section 301, die ohne Abstimmung im Kongress auskommt. James Smith von ING schließt neue Maßnahmen gegen Europa nicht aus, weil ein gespaltenes Washington den Präsidenten eher zu Alleingängen in der Handelspolitik drängen könne. Die Details für Exporteure haben wir vor der Wahl im Beitrag Warum deutsche Exporteure weiter mit Zöllen planen sollten zusammengestellt.

Was Unternehmer als Anleger und Kreditnehmer im Blick behalten sollten

Zinsen in Europa

Für die Finanzierung deutscher Firmen wiegt der Termin am 17. Dezember vermutlich schwerer als die Wahl in den USA. Dann tagt die EZB, der Einlagensatz liegt seit dem 16. September bei 2,5 Prozent, und Terminmärkte sahen laut Cash.Online zuletzt eine Wahrscheinlichkeit von rund 69 Prozent für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält eine Zinserhöhung für kaum vermeidbar, falls sich der Inflationsausblick nicht merklich aufhellt. Im September lag die Teuerung im Euroraum bei 3,8 Prozent, ING erwartet rund 4 Prozent, solange die Energiepreise hoch bleiben. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Dienstagabend bei 3,33 Prozent. Wer eine Anschlussfinanzierung oder eine variable Kreditlinie hat, sollte die Konditionen vor diesem Termin ansehen.

Gold und Anleihen

Zwei Prozent Plus an einem Morgen sind kein Kaufargument. Luca Bindelli von Lombard Odier verweist darauf, dass die Renditen zehnjähriger US-Anleihen nach früheren Zwischenwahlen in den folgenden drei Monaten im Schnitt um 20 bis 25 Basispunkte fielen. Das ist ein historischer Durchschnitt. Für betriebliche Rücklagen zählen Laufzeit, Bonität und Liquidität mehr als die Schlagzeile des Tages.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Kurse entsprechen dem Stand der genannten Quellen vom 4. November 2026 und können sich schnell ändern. Geldanlagen und Devisengeschäfte sind mit Risiken verbunden; für Entscheidungen im Einzelfall sollten Sie Ihre Bank oder einen unabhängigen Berater hinzuziehen.

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