Der deutsche Technologiekonzern Siemens will einen neuen zentralen Unternehmensbereich außerhalb Deutschlands ansiedeln. Das kündigte Vorstandsvorsitzender Roland Busch in einem Interview mit WELT an. Der Manager begründete die Standortentscheidung unter anderem mit den Rahmenbedingungen für technologische Innovationen und dem langsamen Tempo der KI-Regulierung in der Europäischen Union. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu welt.
Busch kritisiert langsame KI-Regulierung in Europa
Nach Einschätzung des Siemens-Chefs können die europäischen Vorschriften mit der rasanten Entwicklung künstlicher Intelligenz nicht Schritt halten. Die Ausarbeitung und Verabschiedung von Regelwerken wie dem AI Act oder dem Data Act könne rund zwei Jahre dauern. In diesem Zeitraum könnten sich KI-Modelle bereits sechs- bis achtmal weiterentwickeln.
„Wir hinken stets hinterher“, sagte Busch. Wenn neue Vorschriften tatsächlich in Kraft träten, habe sich die betreffende Technologie häufig bereits in eine andere Richtung entwickelt. Die Europäische Union müsse neue Lösungen deshalb schneller zulassen und darauf achten, Innovationen nicht durch übermäßige Vorgaben auszubremsen.
Die Bedingungen für die Einführung neuer Technologien waren nach seinen Angaben einer der Faktoren für die Entscheidung, einen wichtigen zentralen Konzernbereich außerhalb Deutschlands aufzubauen. Im frei zugänglichen Teil des WELT-Artikels wird der konkrete ausländische Standort nicht genannt.
Siemens rechnet mit anhaltender Nachfrage im KI-Sektor
Busch betrachtet die derzeitigen Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz nicht als spekulative Blase. Er bezeichnete sie als die größte Technologiewette der Geschichte, verwies jedoch darauf, dass ein erheblicher Teil des Kapitals von Unternehmen mit starken Cashflows stamme und nicht vollständig kreditfinanziert sei.
Der Siemens-Chef erwartet, dass sich die Investitionen wirtschaftlich auszahlen werden. Der Konzern verzeichnet bereits eine hohe Nachfrage nach Technik und Infrastruktur für Rechenzentren, insbesondere in den USA. Siemens geht davon aus, dass die Dynamik in diesem Segment auch im kommenden Jahr und darüber hinaus anhalten wird.
Künstliche Intelligenz soll laut Busch die Effizienz von Unternehmen steigern, Entwicklungsprozesse beschleunigen und den Ressourcenverbrauch verringern. Siemens investiert unter anderem in industrielle KI, digitale Zwillinge, Produktionsautomatisierung und Technologien zur Steuerung von Infrastruktur.
Siemens-Chef warnt EU vor umfassenden China-Zöllen
Busch sprach sich in dem Interview außerdem gegen umfassende europäische Zölle auf chinesische Waren aus. Einzelne gezielte Maßnahmen könnten seiner Ansicht nach gerechtfertigt sein. Die EU müsse jedoch verhindern, dass Handelsbeschränkungen lediglich dazu dienten, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu kaschieren.
Die Schwierigkeiten im Handel mit China seien nicht ausschließlich auf unfaire Geschäftspraktiken zurückzuführen. Chinesische Hersteller verfügten über leistungsfähige Ingenieurteams, entwickelten innovative Produkte und setzten neue Technologien einschließlich künstlicher Intelligenz schnell ein.
Busch forderte europäische Unternehmen auf, diese veränderte globale Wettbewerbslage anzuerkennen und ihre eigene technologische Leistungsfähigkeit auszubauen. Als zentrale Hindernisse nannte er langwierige Verfahren, komplizierte Vorschriften und eine Regulierung, die dem Entwicklungstempo der Technologien hinterherlaufe. Weitere Einzelheiten zu seinen Aussagen veröffentlichten auch N-tv und Die Zeit.
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