Für CDU und CSU wird die Ansprache junger Menschen zu einer langfristigen politischen Herausforderung. Wahlergebnisse der vergangenen Jahre zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: Während die Union bei älteren Wählern traditionell stärker abschneidet, fällt ihre Unterstützung bei den Jüngsten erheblich niedriger aus. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte CDU/CSU unter den unter 25-Jährigen nach Auswertungen von Infratest dimap rund 13 Prozent. Die Linke kam in dieser Altersgruppe auf etwa ein Viertel der Stimmen, die AfD auf rund 21 Prozent. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu spiegel.
Junge Wähler verteilen ihre Stimmen anders
Die Unterschiede sind nicht erst bei einer einzelnen Wahl entstanden. Langfristige Wahldaten zeigen, dass CDU und CSU seit Jahrzehnten bei älteren Bevölkerungsgruppen stärker verankert sind als bei jungen Menschen.
Eine Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung kommt zu dem Ergebnis, dass die Union bei Bundestagswahlen seit 1972 durchgehend einen geringeren Rückhalt unter jungen als unter älteren Wählern hatte. Gleichzeitig vergrößerte sich der Abstand: Bei der Bundestagswahl 2025 lagen zwischen den Ergebnissen der Union bei den 18- bis 24-Jährigen und den über 60-Jährigen fast 24 Prozentpunkte.
Auffällig ist zugleich, dass junge Menschen ihre Stimmen zunehmend auf Parteien verteilen, die sich programmatisch deutlich voneinander unterscheiden. Bei der Bundestagswahl 2025 profitierten sowohl die Linke als auch die AfD von dieser Entwicklung. Damit lässt sich das Wahlverhalten der jüngsten Generation nicht als einheitliche politische Verschiebung in nur eine Richtung beschreiben.
Warum etablierte Parteien Schwierigkeiten mit der jungen Generation haben
Hinter den Veränderungen stehen unterschiedliche politische und gesellschaftliche Faktoren. Junge Menschen sind mit mehreren Krisen und Unsicherheiten gleichzeitig konfrontiert: steigenden Wohnkosten, Problemen im Bildungssystem, wirtschaftlichen Zukunftsfragen, Klimawandel, Pandemieerfahrungen und internationalen Konflikten.
Hinzu kommen Themen, die ihren Alltag unmittelbar betreffen. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum, Ausbildungs- und Studienbedingungen, BAföG, öffentlicher Nahverkehr, Digitalisierung sowie die Frage nach sicheren Arbeitsplätzen und sozialer Absicherung.
Parteien müssen deshalb nicht nur grundsätzlich junge Menschen ansprechen, sondern konkrete Antworten auf deren Lebenssituation vermitteln. Die politische Kommunikation allein erklärt die Unterschiede zwischen den Altersgruppen nicht.
TikTok und Instagram verändern den politischen Wettbewerb
Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Bedeutung sozialer Netzwerke. TikTok, Instagram und andere Plattformen sind für Parteien zu wichtigen Kanälen geworden, um Menschen zu erreichen, die klassische politische Medien deutlich seltener nutzen.
Vor allem die AfD hat früh eine große Reichweite auf sozialen Plattformen aufgebaut. Andere Parteien haben ihre Aktivitäten inzwischen ebenfalls verstärkt. Experten weisen allerdings darauf hin, dass hohe Reichweiten allein nicht automatisch Wahlerfolge erklären. Entscheidend bleibt, welche politischen Inhalte vermittelt werden und ob die Kommunikation von jungen Nutzern als glaubwürdig wahrgenommen wird.
Die Linke konnte insbesondere mit Themen wie Mieten, sozialer Absicherung und Bildung junge Menschen erreichen. Gleichzeitig unterscheiden sich die Motive ihrer jungen Wähler erheblich von denen junger AfD-Anhänger.
CDU steht vor einem strukturellen Generationenproblem
Für CDU und CSU ist die Entwicklung auch deshalb relevant, weil ihre Wählerschaft im Vergleich zu mehreren anderen Parteien stärker von älteren Altersgruppen getragen wird.
Das bedeutet allerdings nicht, dass junge Menschen grundsätzlich nicht für die Union erreichbar sind. Historische Wahldaten zeigen, dass CDU/CSU bei mehreren Bundestagswahlen – darunter 1983, 1990, 2009, 2013 und 2017 – auch unter den 18- bis 24-Jährigen stärker als jede andere Partei waren.
Die aktuellen Unterschiede zwischen den Generationen sind daher nicht unveränderlich. Sie zeigen vielmehr, wie stark politische Präferenzen von gesellschaftlichen Bedingungen, Kandidaten, Themen und der jeweiligen Wahl beeinflusst werden.
Junge Menschen werden zu einer strategisch wichtigen Wählergruppe
Die Auseinandersetzung um junge Wähler betrifft nicht nur CDU und CSU. Auch SPD, Grüne und FDP mussten zuletzt Veränderungen bei ihrer Unterstützung in jüngeren Altersgruppen hinnehmen.
Gleichzeitig zeigen regionale Wahlen, dass sich das Wahlverhalten junger Menschen erheblich unterscheiden kann. Bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg entschieden sich beispielsweise 28 Prozent der Erstwähler für die Grünen, während 16 Prozent für die CDU stimmten.
Damit bleibt die Gruppe der jungen Wähler politisch heterogen. Entscheidend für die Parteien wird sein, welche Themen bei kommenden Wahlen im Mittelpunkt stehen und welche politischen Angebote bei Menschen unter 30 Jahren tatsächlich Resonanz finden.
Lesen Sie auch: Issa Remmo tauchte bei einer Wahlparty der Linken in Neukölln auf. Die Partei erklärt, er sei nicht eingeladen gewesen, und weist Verbindungen zu ihm zurück.