Startseite AktuellesTausende tote Fische in Kiel: Sauerstoffmangel bedroht die Ostsee. Forscher warnen vor Todeszonen, Upwelling und Folgen für Fischbestände.

Tausende tote Fische in Kiel: Sauerstoffmangel bedroht die Ostsee. Forscher warnen vor Todeszonen, Upwelling und Folgen für Fischbestände.

von Johanna Richter
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Tausende tote Fische in Kiel: Sauerstoffmangel bedroht die Ostsee. Forscher warnen vor Todeszonen, Upwelling und Folgen für Fischbestände.

Tausende tote Fische haben am Wochenende in Kiel für Aufsehen gesorgt. Nach Einschätzung von Meeresforschern zeigt das sichtbare Fischsterben jedoch nur einen Teil des Problems. In tieferen Bereichen der westlichen Ostsee herrscht seit Jahren teilweise erheblicher Sauerstoffmangel. Betroffen sind neben Fischen auch zahlreiche andere Meeresorganismen. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu taz.

Tote Fische in der Kieler Förde

Am südlichen Ende der Kieler Förde wurden am Wochenende große Mengen verendeter Fische entdeckt. Ursache ist nach Angaben von Fachleuten sauerstoffarmes Wasser, das aus tieferen Schichten in Küstennähe gelangte.

Das tatsächliche Ausmaß lässt sich anhand der an Land gespülten Tiere allerdings nicht bestimmen. Viele verendete Organismen erreichen die Strände überhaupt nicht. Dazu gehören unter anderem Garnelen, Muscheln, Seeigel und Seesterne.

Der Sauerstoffmangel in der Ostsee ist zudem kein kurzfristiges Phänomen. Besonders während der Sommermonate können sich in tieferen Wasserschichten Bereiche bilden, in denen nur sehr wenig oder überhaupt kein Sauerstoff vorhanden ist.

Wind bringt sauerstoffarmes Tiefenwasser an die Küste

Sichtbar wird das Problem häufig erst im Spätsommer oder Herbst. Bestimmte Windrichtungen können das sauerstoffreiche Oberflächenwasser von der Küste wegdrücken. Gleichzeitig steigt sauerstoffarmes Wasser aus tieferen Bereichen nach oben.

Ein solches sogenanntes Upwelling trat am Wochenende in der Kieler Förde und in der Lübecker Bucht auf. Für Fische und andere Organismen kann die schnelle Veränderung der Sauerstoffkonzentration lebensbedrohlich werden.

Ähnliche Ereignisse wurden bereits in anderen Regionen der deutschen Ostseeküste beobachtet. Im September 2025 kam es vor Warnemünde zu einem vergleichbaren Fischsterben. Auch ein Ereignis aus dem Jahr 2020 wurde mit aufsteigendem sauerstoffarmem Tiefenwasser in Verbindung gebracht.

Ausmaß der Fischsterben ist schwer zu erfassen

Wie häufig solche Ereignisse in der westlichen Ostsee und insbesondere in deutschen Küstengewässern auftreten, ist bislang nicht vollständig dokumentiert. Wissenschaftler haben unter anderem Medienberichte aus mehreren Jahrzehnten ausgewertet, um frühere Fälle zu rekonstruieren.

Dabei gibt es jedoch Unsicherheiten. Nicht jedes Fischsterben wird öffentlich dokumentiert. Wiederholen sich solche Ereignisse in einer Region, können sie zudem weniger Aufmerksamkeit erhalten als beim ersten Auftreten.

Hinzu kommt der Rückgang verschiedener Fischbestände in der Ostsee. Dadurch lässt sich die heutige Zahl verendeter Tiere nur eingeschränkt mit früheren Ereignissen vergleichen.

Sauerstoffmangel besteht seit mehreren Jahren

In den tieferen Bereichen der westlichen Ostsee beobachten Fachleute seit etwa sechs bis sieben Jahren besonders ausgeprägte Sauerstoffdefizite. Im östlichen Teil der Ostsee besteht das Problem teilweise bereits wesentlich länger.

Eine wichtige Rolle spielt der Wasseraustausch mit der Nordsee. Sauerstoffreiches Nordseewasser kann in die westliche Ostsee gelangen und dort die Bedingungen verbessern. Dafür sind allerdings geeignete Wetter- und Windverhältnisse erforderlich.

Kräftige Herbststürme aus nordwestlicher Richtung können einen solchen Wasseraustausch unterstützen. Bislang blieben entsprechende Wetterlagen jedoch aus.

Einige Meeresgebiete sind bereits besonders stark betroffen. Der dänische Vejle Fjord nordwestlich von Fünen wird von Fachleuten als biologisch weitgehend tot beschrieben. Auch andere Förden und Buchten könnten bei anhaltendem Sauerstoffmangel zunehmend unter Druck geraten.

Wiederholte Ereignisse verhindern die Erholung der Bestände

Problematisch ist insbesondere das regelmäßige Auftreten sauerstoffarmer Bedingungen. Werden dieselben Gebiete wiederholt betroffen, können sich Fischbestände nur schwer regenerieren.

Besonders Jungfische sind gefährdet. Sterben sie vor Erreichen der Geschlechtsreife, fehlen später Tiere, die für Nachwuchs sorgen können.

Bei dem aktuellen Ereignis wurden unter anderem größere Lachse, Dorsche und Meerforellen beobachtet. Ein Teil der Tiere könnte die Phase mit niedrigem Sauerstoffgehalt überstanden haben.

Solche Situationen dauern häufig nur kurze Zeit. Ändert sich die Windrichtung, kann sich die Wasserschichtung innerhalb von ein oder zwei Tagen erneut verändern.

Forscher wollen Fischsterben früher erkennen

Für Wissenschaftler wäre eine bessere Vorhersage solcher Ereignisse wichtig. Dadurch könnten Forschungsteams rechtzeitig an betroffene Küstenabschnitte fahren, den Sauerstoffgehalt messen und dokumentieren, welche Fischarten und wie viele Tiere betroffen sind.

Bislang ist dies schwierig, weil sich die Bedingungen kurzfristig verändern können. Wenn Experten erst nach dem Auftreten der ersten toten Fische informiert werden, kann das Ereignis bereits weit fortgeschritten oder sogar beendet sein.

Eine umfangreichere Überwachung der Küstengewässer könnte deshalb zusätzliche Daten über Häufigkeit, Dauer und Ausmaß solcher Sauerstoffkrisen liefern.

Erwärmung der Ostsee verschärft den Sauerstoffmangel

Steigende Wassertemperaturen beeinflussen die Sauerstoffversorgung zusätzlich. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes. Damit können längere Wärmeperioden und die Erwärmung der Meere bereits bestehende Sauerstoffprobleme verstärken.

Gleichzeitig spielen Nährstoffeinträge eine wichtige Rolle. Gelangen große Mengen Nährstoffe in das Meer, fördern sie das Wachstum von Algen. Werden diese später von Mikroorganismen abgebaut, wird Sauerstoff verbraucht.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Nährstoffeinträge in die Ostsee teilweise reduziert. Die Auswirkungen steigender Wassertemperaturen können diese Verbesserungen jedoch abschwächen.

Forderung nach stärkerem Monitoring der Ostsee

Nach dem aktuellen Fischsterben werden Forderungen nach einer Ausweitung der Meeresüberwachung laut. Dabei soll nicht nur der Sauerstoffgehalt berücksichtigt werden.

Auch Belastungen durch Schifffahrt, Fischerei, Offshore-Anlagen, militärische Nutzung, Unterwasserschall und Veränderungen des Meeresbodens sollen stärker gemeinsam untersucht werden. Hinzu kommen klimabedingte Veränderungen der Temperatur und der Meeresökosysteme.

Ein erweitertes Monitoring soll außerdem zeigen, wie wirksam bereits umgesetzte Schutzmaßnahmen sind und wie sich die Bedingungen in besonders belasteten Küstengebieten entwickeln.

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