Der deutsche Markt für Online-Apotheken verliert einen weiteren bekannten Anbieter. Die Online-Apotheke Disapo, die früher zum Kosmetikkonzern Douglas gehörte, befindet sich im Insolvenzverfahren und hat den Verkauf an Kunden in Deutschland weitgehend eingestellt. Die Website des Unternehmens ist weiterhin erreichbar, Bestellungen der angebotenen Produkte sind jedoch nicht mehr möglich. Dies berichtet die Webseite das-unternehmer-wissen mit einem Link zu chip.
Das Insolvenzverfahren über die disapo.de Apotheke BV wurde Mitte September 2026 eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zur Wachstumsphase des Unternehmens bereits deutlich zurückgegangen.
Online-Apotheke Disapo nimmt keine Bestellungen mehr an
Obwohl der Produktkatalog von Disapo weiterhin online abrufbar ist, können Medikamente und andere Artikel über den Shop nicht mehr bestellt werden. Für Kunden in Deutschland ist der eigentliche Geschäftsbetrieb der Online-Apotheke damit praktisch eingestellt.
Zuletzt beschäftigte das Unternehmen noch rund 35 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Einige Jahre zuvor hatte Disapo noch etwa 200 Beschäftigte.
Die finanziellen Schwierigkeiten betreffen nicht nur das eigentliche Apothekengeschäft. Kurz nach Beginn des Verfahrens gegen die disapo.de Apotheke BV geriet auch die Disapo BA BV, eine weitere Gesellschaft der Gruppe, in die Insolvenz.
Über dieses Unternehmen wurde ein Teil des China-Geschäfts abgewickelt. Dazu gehörte unter anderem der Handel mit europäischem und deutschem Milchpulver. Zum Zeitpunkt der Einstellung des Geschäftsbetriebs waren dort nur noch vier Mitarbeiter beschäftigt.
Verbindlichkeiten von Disapo bei rund 2,2 Millionen Euro
Vor der Insolvenz versuchte der damalige Eigentümer MYA Health, einen neuen Investor für Disapo zu finden. Als mögliche Käufer kamen Unternehmen beziehungsweise Investoren aus Deutschland und China infrage.
Die Gespräche über einen Verkauf waren offenbar bereits weit fortgeschritten, eine Transaktion kam jedoch nicht zustande. Gleichzeitig stieg die finanzielle Belastung weiter. Die aufgelaufenen Verbindlichkeiten werden auf rund 2,2 Millionen Euro beziffert.
Zu den wichtigsten verbliebenen Vermögenswerten gehört das Logistikzentrum von Disapo im niederländischen Heerlen. Der Standort umfasst eine Fläche von rund 7.500 Quadratmetern.
Über die weitere Nutzung der Immobilie und anderer Vermögenswerte wird nun im Rahmen des Insolvenzverfahrens entschieden. Möglich sind unter anderem ein Verkauf an einen Investor oder eine weitere Nutzung im Zuge einer Restrukturierung.
Warum Douglas die Online-Apotheke Disapo verkaufte
Douglas hatte Disapo im Jahr 2022 übernommen. Mit dem Kauf wollte der Kosmetikkonzern schneller auf dem wachsenden Markt für Online-Apotheken Fuß fassen und sein digitales Geschäft über den klassischen Verkauf von Parfüm und Kosmetik hinaus erweitern.
Zum Zeitpunkt der Übernahme war Disapo deutlich größer als unmittelbar vor der Insolvenz. Das Unternehmen beschäftigte rund 200 Mitarbeiter und erzielte 2021 einen Umsatz von etwa 80 Millionen Euro.
Später änderte Douglas seine Strategie. Das Apothekengeschäft verlor für die weitere Entwicklung des Konzerns an Bedeutung, woraufhin sich Douglas von Disapo trennte.
Im August 2024 wurde die Online-Apotheke an MYA Health BV verkauft. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Mitarbeiter bereits auf etwa 90 gesunken. Für Douglas war der Ausstieg aus dem Geschäft zudem mit finanziellen Belastungen verbunden: Der Verlust belief sich auf rund 5,9 Millionen Euro.
Wie Disapo von einer kleinen Apotheke zum großen Online-Händler wurde
Die Geschichte von Disapo begann lange vor der Übernahme durch Douglas. Gegründet wurde das Unternehmen 2004 vom Apotheker Franz Michael Peikert.
Die ersten Online-Bestellungen wurden aus einem Nebenraum der Bieber-Apotheke in Offenbach verschickt, die Peikert gemeinsam mit seiner Frau zwei Jahre zuvor übernommen hatte. Mit der wachsenden Zahl der Bestellungen reichten die vorhandenen Kapazitäten jedoch nicht mehr aus.
2007 wurde der Versandhandel deshalb in ein separates Lager in einem Offenbacher Gewerbegebiet verlegt. In den folgenden Jahren baute das Unternehmen sowohl sein Sortiment als auch seine Logistik weiter aus.
Später verlagerte Disapo sein zentrales Logistikzentrum nach Heerlen in den Niederlanden, unweit der deutschen Grenze. Dort entstand eine größere Infrastruktur für die Bearbeitung und den Versand von Bestellungen an Kunden in Deutschland.
Was im September 2026 mit Disapo passiert
Formal ist die Internetseite von Disapo weiterhin erreichbar. Nutzer können den Shop öffnen und die angebotenen Produkte ansehen. Bestellungen aus Deutschland sind jedoch nicht mehr möglich.
Das Insolvenzverfahren wird nun über die weitere Zukunft des Unternehmens, seiner Vermögenswerte und des Logistikzentrums in Heerlen entscheiden. Bereits vor Beginn des Verfahrens war Disapo erheblich geschrumpft: Von rund 200 Beschäftigten in der Wachstumsphase sank die Mitarbeiterzahl auf nur noch einige Dutzend.
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